Saúl Luciano Lliuya bekommt Kasseler Bürgerpreis

Am Sonntag erhielt der peruanische Bergführer und Kleinbauer Saúl Luciano Lliuya den Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ für sein klimapolitisches und juristisches Engagement gegen den deutschen Energiekonzern RWE. Lliuya befindet sich seit November 2017 mit RWE in einem Rechtsstreit. Es ist der erste Zivilprozess dieser Art in Deutschland, der darüber entscheiden wird, ob ein großer CO2-Emittent wie RWE für die Folgen der Erderwärmung haften muss.

Der Preisträger wohnt in der peruanischen Andenstadt Huaraz in 3.000 Meter Höhe. Aufgrund der Erderwärmung schmelzen dort die Gletscher, was einen See zum Durchbruch eines Dammes bringen kann. Wenn das passiert, sind Lliuya und weitere tausend Einwohner in Lebensgefahr.

Der Essener Energiekonzern RWE, der zurzeit aufgrund der Rodung des Hambacher Forsts mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam macht, ist der europaweit größte Einzel-Emittent von C02. Forscher gehen davon aus, dass der Klimawandel ohne die Emissionen von RWE messbar geringer ausfallen würde. Weltweit sind sie für 0,47 % vom Ausstoß des Treibhausgases verantwortlich. Darum solle – so die Forderung – RWE auch 0,47 Prozent der Kosten für den Dammschutz übernehmen: 17.000 Euro.

RWE machte im Jahr 2017 einen Umsatz von knapp 45 Milliarden Euro. Zwar würde die geforderte Kostenbeteiligung in den Büchern von RWE nicht einmal auffallen, doch handelt es sich hierbei schließlich um einen Präzedenzfall. Er hat schon jetzt dazu geführt, dass ein hohes deutsches Gericht bestätigt hat, dass große Mitverursacher des Klimawandels verantwortlich für die weltweiten Folgen sind.

Das Gericht befindet sich nun in der Beweisaufnahme, in der GutachterInnen festzustellen haben, ob die Flutgefahr unterhalb des Gletschersees tatsächlich besteht und dadurch der Besitz Lliuyas gefährdet ist. Erst wenn die GutachterInnen dies bestätigen, soll eine klimawissenschaftliche Beweisführung folgen. Der Prozess dürfte sich also noch einige Jahre hinziehen, auch weil RWE immer wieder versucht, die Verhandlung zu verzögern.

Lliuya bedankte sich bei der Preisvergabe mit den Worten: „Ich danke Ihnen herzlich. Ich möchte diesen Preis den Bergen der Anden widmen und den Familien, die unterhalb dieser Berge leben. Sie alle verdienen diesen Preis.“. Der jährlich verliehene Preis ist mit 10.000 Euro datiert.