Mindestens fünf Spitzel im Umfeld von Anis Amri eingesetzt

Offiziell soll der Berliner Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ islamistische Fundamentalisten überwachen, die Rekrutierung von KämpferInnen für den „Islamischen Staat“ (IS) und Anschläge verhindern. Nun ist erneut ein Fall bekannt geworden, in dem das Gegenteil geschehen ist. Ein bezahlter Spitzel („V-Mann“) des Berliner Inlandsgeheimdienstes hat offenbar im Sommer 2015 für einen 16-Jährigen die Ausreise zum Islamischen Staat in Syrien organisiert. Er war im Umfeld des Attentäters vom Breitscheidplatz, Anis Amri, eingesetzt.

Ausreise nach Syrien für Minderjährigen organisiert

Recherchen des ZDF-Magazins „Frontal 21“ zufolge soll der V-Mann namens Emanuel P. einem Minderjährigen Geld, Flugtickets und Unterkunft für eine Reise nach Syrien über Istanbul besorgt haben. Der Heranwachsende wurde dann jedoch an der syrischen Grenze von türkischen Behörden zurückgewiesen.

„Ich kann so jemanden nicht verstehen“, sagt der heute 19-jährige junge Mann gegenüber Frontal 21 über Emanuel P. „Er schickt Jugendliche, Kinder in den Tod. Ich weiß nicht, ob er weiß, was es heißt, wenn eine Mutter oder ein Vater ein Kind verliert.“

Der V-Mann wurde im Mai 2013 rekrutiert und die Zusammenarbeit offiziell im September 2015 beendet. Das geht aus Akten zum „Gefahrenabwehrvorgang Lacrima“ des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor. Diese können von Bundestags-Untersuchungsausschuss eingesehen werden, der mit der Aufklärung des Anschlags vom Breitscheidplatz im Dezember 2016 beauftragt ist.

Mindestens fünf V-Männer im Umfeld von Anis Amri

Emanuel P. schickte nicht nur Jugendliche in den Djihad, sondern war auch mit der Beobachtung der IS-Zelle um den Attentäter Anis Amri beauftragt, der Ende 2016 einen LKW in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz steuerte.

Insgesamt ist damit der Einsatz mindestens fünf bezahlter Spitzel verschiedenster Behörden im Umfeld des Attentäters Anis Amri bekannt:

  • Emanuel P. und ein weiterer V-Mann durch den Berliner Verfassungsschutz.
  • Ein V-Mann des LKA NRW, der Amri zu Anschlägen mit einem LKW anstachelte.
  • Ein V-Mann des Bundeskriminalamts (BKA).
  • Ein bezahlter Spitzel des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), dessen Einsatz versucht wurde zu vertuschen.

Marina Renner, die für die Linkspartei im Untersuchungsausschuss sitzt, bringt das gegenüber Frontal 21 so auf den Punkt: „Man kann quasi sagen: Anis Amri war umstellt von Spitzeln“.

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