Technikunternehmen wird zum Cloud-Monopol für das US-Militär

Das US-Verteidigungsministerium sucht einen Cloud-Anbieter für seine gesamte Kommunikation und Kommando-Struktur. Das mehr als 10 Milliarden Dollar schwere Projekt läuft unter dem Namen „JEDI“ (Joint Enterprise Defense Infrastructure). Die Bewerbungsfrist für das Projekt endet an diesem Freitag. Allerdings kommt de facto sowieso nur Amazon als Anbieter in Frage, kein anderes amerikanisches Unternehmen sonst kann die Anforderungen erfüllen.

Das Verteidigungsministerium besteht laut der Ausschreibung des Projekts auf einer sogenannten „Single Vendor“-Lösung: es soll also der gesamte Auftrag allein von einem einzigen Unternehmen gestemmt werden. Einzig Amazon soll dazu in der Lage sein. Kein anderes Unternehmen verfügt über genügend Zertifikationen und Personal, das den Anforderungen des US-Militärs und der entsprechenden Geheimhaltungsstufen entspräche (Link).

Mit dem gigantischen Auftrag würde Amazon seine Monopolstellung als Cloud- und Plattformanbieter der us-amerikanischen Sicherheitsbehörden stark ausbauen. Bereits seit 2013 stellt Amazon zentrale Infrastruktur für die CIA, den Militärgeheimdienst DISA, die US-Navy und eine Vielzahl weiterer militärischer und ziviler staatlicher Behörden. 2017 gab Amazon an, bereits für mehr als 2.300 staatliche Stellen seinen Cloud-Service zur Verfügung zu stellen.

Konkret geht es bei JEDI unter anderem darum, sogenannte „Big-Data-Analysen“ möglichst in Echtzeit durchzuführen. Dabei sollen US-Truppen in Einsätzen rund um die Welt mit ihren Führungsstellen und dem Generalstab in den USA verbunden werden. Amazon würde also die gesamte Infrastruktur für die militärische Befehlskette und die Verbindung der militärischen Führung der USA stellen.

Während sich Amazons Konkurrenten wie Google, IBM, Oracle und Microsoft über die immer weiter zunehmende Monopolisierung der staatlichen Clouds bei Amazon beschweren, freut sich natürlich Amazon-Chef, Jeff Bezos: „Wir werden auch weiterhin das Verteidigungsministerium unterstützen“ und „Dies ist ein tolles Land, und es ist nötig, dass es verteidigt wird“, so Bezos auf einer Konferenz in San Francisco (Link).

Viel mehr als um Patriotismus dürfte es Bezos um die Profitabilität seines Unternehmens gehen. Die Wachstumsraten der IT-Unternehmen im Endverbraucher-Sektor gehen immer weiter zurück und die Gewinnraten bei Geschäften mit staatlichen Akteuren, insbesondere im Cloud-Geschäft, sind deutlich größer. So erzielte Amazon laut den Analysten von Bloomberg in Nordamerika im Jahr 2017 im Versandgeschäft mit einem Umsatz von 108 Milliarden Dollar rund 2,8 Milliarden Dollar operativen Gewinn. Im Cloud-Geschäft setzte das Unternehmen nur 17 Milliarden Dollar um, konnte jedoch mit 4,8 Milliarden Dollar einen viel höheren operativen Gewinn einfahren.