Erneut kam es in Deggendorf zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Geflüchteten und der Polizei. Dieses Mal in einer Außenstelle des Ankerzentrums, im Industriegebiet Plattling-Stephansposching. Anschließend kam die Polizei mit Spezialeinheiten, langen Stöcken und Maschinenpistolen wieder.

Wie die Plattlinger Zeitung berichtet, soll Auslöser des Großeinsatzes eine Polizeiaktion am Mittwochvormittag gewesen sein. Demnach war die Abschiebung eines 25-Jährigen aus Sierra Leone geplant, doch der Mann konnte nicht angetroffen werden. Stattdessen soll eine Gruppe Nigerianer den Einsatz „verbal gestört“ haben. Außerdem soll ein 29-Jähriger Mann gegen Einrichtungsgegenstände geschlagen und versucht haben, die Polizisten zu bedrängen. Daraufhin wurde er in Gewahrsam genommen, was weitere Bewohner der Unterkunft dazu veranlasste, dem Nigerianer zu Hilfe zu eilen, indem sie die Abfahrt des Polizeiwagens durch das Verschieben von Zäunen zu verhindern versuchten. Anschließend floh der 29-Jährige aus dem Auto.

Großeinsatz mit Hundertschaften und Spezialeinheiten

Nach dem gescheiterten Einsatz zog sich die Polizei zurück und kam mit einem Großaufgebot wieder. Bei der anschließenden Razzia in der Unterkunft wurden 17 Personen festgenommen, darunter auch der geflohene Nigerianer. Für 16 Personen wurde Untersuchungshaft wegen Landfriedensbruchs beantragt, für eine weitere Abschiebehaft. Der 25-jährige Sierra Leoner wurde weiterhin nicht angetroffen.

Bei dem Einsatz drangen Spezialkräfte der Polizei, vermummt und mit langen Stöcken, Kettenhemden und Maschinenpistolen bewaffnet, in die Einrichtung ein. Außerdem wurde kurzzeitig die A92 für den Einsatz gesperrt.

Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisierte auf Nachfrage den Polizeieinsatz als „völlig überzogen“. Es könne nicht sein, dass bei jeder geplanten Abschiebung von Einzelpersonen eine Hundertschaft der Polizei anrücke, sagte ein Sprecher.