Aktienkurse der größten Banken stürzen um bis zu 30% ab. Neue Rettungspakete notwendig.

Noch im August diesen Jahres gab es Erfolgsmeldungen aus Griechenland. Regierung und EU gratulierten sich gegenseitig für die Rettung Griechenlands und verkündeten freudestrahlend das Auslaufen der Hilfspakete für den griechischen Staat und seine Wirtschaft. Nun wird klar, dass alles vor allen Dingen eins war: Augenwischerei und Zahlenakrobatik.

Tatsächlich geht es dem griechischen Staat, geschweige denn der arbeitenden Bevölkerung nach acht Jahren Krisendiktat durch die EU heute nicht gut. Auch die Schulden haben sich nicht verringert, sondern sind massiv angestiegen. Lagen sie 2007 noch bei 100% des Bruttoinlandsprodukts, so liegen sie heute bei rund 180%. Das ist mit Abstand der höchste Wert in ganz Europa. Von den massiven Folgen wie der Verarmung der Bevölkerung ganz zu schweigen.

Kaputtgespart: „Hilfskredite“ für Griechenland laufen aus

Seit Anfang September erlebt nun die griechische Finanzwelt ein neues Erdbeben nach dem anderen. Anfang Oktober stürzten die Aktienkurse der größten Bankhäuser Griechenlands „Piräus Bank“, „Eurobank“, „Alpha Bank“ und „National Bank“ um bis zu 30% ab. Allein der Aktienkurs der Piräus Bank brach um rund 30% ein, der gesamte Athener Bankenindex fiel auf den  tiefsten Stand seit 31 Monaten. Und dies, nachdem genau diese vier Großbanken erst im Mai einen Stresstest der EZB bestanden hatten. Auch das zeigt, dass die Stresstests der EZB fast keine Aussagekraft besitzen.

Die griechischen Großbanken hielten zur Jahresmitte 2018 faule Kredite (Kredite, die seit mindestens 90 Tagen nicht mehr bedient wurden oder ausfallgefährdet sind) in Höhe von 88,6 Milliarden Euro. Das entspricht knapp der Hälfte aller Darlehen in Griechenland und überschreitet das von der EU geforderte Limit um das Neunfache.

Selbst Laien sollte klar sein, dass in einer solchen Situation mögliche Rückzahlungen der Kredite reine Illusion sind. Deshalb werden die Kredite immer weiter gestreckt und Rückzahlungsfristen verschoben. So haben die Kredite des Europäischen Rettungsfonds ESM mittlerweile eine Restlaufzeit von 32 Jahren, die EFSF-Kredite wurden im Juni dieses Jahres sogar bis 2060 auf 42 Jahre verlängert. Außerdem wurden Zinszahlungen, die eigentlich für 2022 angesetzt waren, um weitere 10 Jahre bis Ende 2032 gestundet. Es ist davon auszugehen, dass diese Fristen immer weiter nach hinten geschoben werden.

Dass nun über neue Hilfskredite und Rettungsprogramme gesprochen wird, hat vor allem damit zu tun, dass ein Bankrott Griechenlands und seiner Banken wegen der engen Verflechtung griechischen und ausländischen Kapitals unkalkulierbare Risiken beinhaltet. Nicht nur für den Euro und EU, sondern für die gesamte Finanzwirtschaft. Die nächsten Hilfszahlungen werden also kommen müssen – und bezahlen wird dafür in erster Linie die arbeitende griechische Bevölkerung. Von dieser lebt bereits 35% an oder unter der Armutsgrenze. Die mittleren Einkommen werden inzwischen von einer Steuerlast von bis zu 75% aufgefressen und die RentnerInnen werden im Januar wohl eine weitere Rentenkürzung um 18% hinnehmen müssen. Das wird dann die 23. seit der Weltwirtschaftskrise sein (Link).