Demo-SanitäterInnen erheben Vorwürfe gegen Polizei und Rettungsdienst vor Ort

Am 6. Oktober demonstrierten etwa 400 Personen unter dem Motto „Kein Platz für rechte Hetze“ gegen den rechten Aufmarsch des des sogenannten „Frauenbündnisses Kandel“. Dessen Aufruf waren rund 300 Personen gefolgt. Am Rande der antifaschistischen Demonstrationen kam es zu einem Angriff eines Polizeihundes auf einen Beteiligten, der mehrfach gebissen wurde.

Ein Demonstrant von vor Ort schilderte die Situation gegenüber gegenüber Perspektive Online: „Der Kollege ist lediglich von einer Absperrung zu einer anderen Kundgebung gelaufen und wurde im Vorbeigehen von einem Polizeihund ohne Maulkorb angebellt, der auf ihn zusprang. In einem Reflex trat er in Richtung des angeleinten Hundes ohne ihn zu berühren. Daraufhin wurde der von der Leine gelassen und riss den Kollegen sofort zu Boden. Die Polizisten selbst konnten, nachdem sie sich ausgetobt hatten, den Hund auch nur mittels Schlägen auf die Schnauze lösen.“

Kritik von Demo-SanitäterInnen

In einer Pressemitteilung kritisierte die „Sanitätsgruppe Süd-West e.V.“ den anschließenden Umgang von Polizei und den RettungssanitäterInnen des Deutschen Roten Kreuzes mit dem Verletzten und ihnen als Demo-SanitäterInnen selbst. So berichtete einer der Demo-Sanitäter: „Als ich beim Verletzten ankam, wurde dieser mit auf dem Rücken gefesselten Händen von mehreren Polizisten gegen ein Einsatzfahrzeug der Polizei gedrückt. Er wimmerte vor Schmerzen und flehte um Hilfe. Trotzdem verging eine in dieser Situation mir unendlich lang vorkommende Zeit, bis der Patient endlich aus dieser schmerzhaften Position befreit wurde. Wie ich später genauer sehen konnte, hatte er am linken Oberarm und rechten Oberschenkel große Biss- und Krallenwunden, die wohl durch einen Kampfhund der Polizei zugefügt wurden. Ein Krankenwagen des Deutschen Roten Kreuzes Kandel befand sich zum Zeitpunkt meines Eintreffens bereits vor Ort. Sofort wurde ich sowohl von den vor Ort befindlichen Polizisten als auch vom Team des Krankenwagens massiv verbal angegangen.“

So wurde dem Zeugen die Behandlung des Patienten verwehrt, obwohl dieser ausdrücklich eine Behandlung durch den Demo-Sanitäter wünschte. Er entließ sich dann selbst aus der Behandlung, da er kein Vertrauen in den Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes gehabt habe. Bei der sich anschließenden Behandlung des Patienten durch die Sanitäter der Sanitätsgruppe Süd-West konnten diese „grobe Behandlungsfehler des Krankenwagenteams feststellen. So war z.B. eine klaffende Bisswunde ohne Kompresse versorgt worden, sondern ausschließlich mit einer unsterilen Binde.“

Der Demonstrant wurde im Anschluss in ein Krankenhaus gebracht und wird dort wohl noch einige Tage bleiben müssen.

Insgesamt mussten die Einsatzkräfte der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. 6 PatientInnen behandeln. Neben dem Demonstranten mit Bisswunden handelte es sich um eine Kopf-Platzwunde, zwei Verletzte durch Pfefferspray sowie um zwei weitere Bagatell-Traumata.