Der zu Unrecht Inhaftierte machte vor seinem Tod in der brennenden Zelle auf sich aufmerksam
Schon die Verhaftung an sich ist ein Skandal: Der junge Syrer Amed A. wurde angeblich schlicht für jemand anderen gehalten. Im Nachhinein ist die Haftfähigkeit, die für Amed A. festgestellt wurde, mindestens in Frage zu stellen. Der junge Mann soll zahlreiche psychische Belastungen gehabt haben, die im Normalfall einen Grund für Haftunfähigkeit dargestellt hätten.

Er verstarb bei einem Brand in seiner Gefängniszelle in der JVA Kleve. Die Landesregierung NRW machte öffentlich, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Selbstmord handle, es wurde vermutet, dass der 26-jährige kurz vor seiner Entlassung selbst Feuer legte. In diese Richtung wurde auch ermittelt – wie nun scheint, vollkommen zu Unrecht. Die Landesregierung soll „entscheidungsrelevante Tatsachen“ zurückgehalten haben.

Getätigter Notruf

„Der Gefangene hat die Rufanlage jedenfalls nicht betätigt“, so der Wortlaut im Bericht der JVA. Auch wurde in Betracht gezogen, dass ein Notruf schlicht überhört worden sei, die Hilferufe der anderen Gefangenen könnten die Gegensprechanlage übertönt haben. Allerdings konnte nachvollzogen werden, dass das Betätigen der Gegensprechanlage kurz nach 19 Uhr auch ein Lichtsignal auslöste. Derzeit wird vor allem ermittelt, ob jemand das Lichtsignal deaktivierte oder ob es einfach ignoriert wurde.

„Wer ist der Mörder unseres Sohnes?“

Die furchtbaren Umstände, unter denen Amed A. zu Tode kam, zeigen zahlreiche Parallelen zu dem Fall von Oury Jalloh. Auch er verstarb in Haft bei einem Zellenbrand, jahrelang wurde sein Fall unter Protest von FreundInnen und AktivistInnen als Selbstmord gehandelt. Eine selbstfinanzierte Rekonstruktion der Vorgänge in der Zelle konnte schließlich zeigen, dass Jalloh den Brand nicht selbst gelegt haben konnte. In seiner Zelle wurde ein unversehrtes Feuerzeug gefunden, an dem fremde DNA festgestellt wurde. So wurden Feuerzeuge zum Symbol für diejenigen, die dafür protestierten, dass sein Fall als Mord neu untersucht wird – auch in Ameds Zelle wurde ein verkohltes Feuerzeug aufgefunden.

Als Amed beerdigt wurde, erschien sein Vater mit einem Plakat, auf dem stand: „Wer ist der Mörder unseres Sohnes?“