Parallelen zum Fall Oury Jalloh

Im Gefängnis von Kleve ist ein Syrer nach einem Brand in seiner Gefängniszelle am vergangenen Samstag verstorben. Zuvor hatte er zwei Monate im Gefängnis gesessen – unschuldig. Der 26-jährige Mann wurde Opfer einer „Verwechslung“, die aber schon seit Juli bekannt war. Dennoch wurde er nicht freigelassen. Der Vorfall weckt Erinnerung an den Fall Oury Jalloh.

Der Brand

Der Brand war am 17. September in der Gefängniszelle des Syrers ausgebrochen. Dieser wurde anschließend mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, erlag dort jedoch nach einigen Tagen seinen Verletzungen. Der Brand war so stark, dass acht weitere JVA-Mitarbeiter und zwei Gefängnisinsassen wegen Rauchgasvergiftungen im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Syrer saß unschuldig im Gefängnis

Dabei hatte der Syrer gar keine schwere Straftat begangen. Er war ursprünglich von der Polizei am 6. Juli wegen einer mutmaßlichen Beleidigung festgenommen worden. Beim Abgleich mit Datenbanken habe sich ergeben, dass eine Person in Hamburg gesucht wurde, die seinen Namen als Deckname nutzte. Der Syrer wurde festgenommen.

Einige Tage später stellte die Staatsanwaltschaft Hamburg eine routinemäßige Anfrage in Kleve nach der tatsächlichen Identität des Festgenommenen. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei in Kleve festgestellt worden, dass es sich bei dem Syrer nicht um den Gesuchten handelte. Dennoch wurde er nicht freigelassen, warum ist bisher unklar. „In dieser Dramatik ist mir kein anderer Fall bekannt“, so der zuständige Klever Oberstaatsanwalt.

Gefängnisleiter schließt Selbstmord aus

Bisher ist unklar, wie es zum Brand in der Zelle kam. Zum einen wird untersucht, ob der Syrer möglicherweise den Brand selbst gelegt hat. Der Gefängnisleiter Udo Gansweidt schließt dies aus, da der Syrer nur noch bis Mitte Oktober hätte einsitzen sollen: „Für so ein paar Tage bringt sich kein Mensch um.“, so Gansweidt. Als weitere Möglichkeit wird untersucht, ob der Syrer möglicherweise mit einer Zigarette im Mund eingeschlafen sei.

Parallelen zum Fall Oury Jalloh

Der Vorfall weckt jedoch auch Erinnerungen an den  Oury Jalloh aus Sierra-Leone, der 2005 in einer Gefängniszelle verbrannte. Damals wurde ein Suizid Oury Jallohs unterstellt. Doch der jahrelange Kampf von Freunden erzwang kürzlich den Einsatz von zwei neuen Sachverständigen. Sie sollen klären, ob Oury Jalloh keinen Suizid beging, sondern von eingesetzten Polizeibeamten ermordet wurde. Dies haben verschiedene Brandgutachten nahegelegt.