Gewalt gegen Frauen wird häufig nicht ernst genommen, herunter gespielt oder vertuscht. Mit dem Hashtag #wheniwas werden jetzt Gewalterfahrungen, die Frauen im Kindes- und Jugendalter erlebt haben, sichtbar gemacht.

Seit Anfang Oktober berichten Frauen unter dem Hashtag #wheniwas über sexualisierte Gewalt, die sie erfahren haben, als sie Kinder oder Jugendliche waren. Bereits 2016 war dieser Hashtag viral gegangen, nun hat ihn das „Everyday Sexism Project“ erneut ins Leben gerufen. Das Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, alltägliche Gewalterfahrungen von Frauen weltweit zu sammeln und damit auf die Häufigkeit und Schwere des Problems aufmerksam zu machen.

Viele Frauen erleben bereits in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt. Das zeigt auch die Studie „Speak!“ von 2016/17. Hiernach hat über die Hälfte der 14- bis 16jährigen Mädchen sexualisierte Gewalt erlebt. Sexualisierte Gewalt meint hier sowohl verbale, als auch körperliche Übergriffe – also sexuelle Kommentare oder Begrapschen ebenso wie Vergewaltigung.

Der Fokus dieser Studie liegt auf der Gewalt unter Gleichaltrigen. Nach Schätzungen sind in Deutschland darüber hinaus 1-2 Millionen Mädchen und Jungen von sexualisierter Gewalt durch Erwachsene betroffen. Davon sind drei Viertel Mädchen, die Täter sind zu 80-90% Männer und stammen zu 75% aus der engeren Familie oder dem näherem Umfeld der Betroffenen (Link).

Die Berichte der Frauen unter #wheniwas zeigen ähnliches: Viele Frauen schreiben von Belästigungen durch Mitschüler, Lehrer oder Verwandte, in den allermeisten Fällen Männer.


(als ich 7 war wurde ich von zwei bekannten Jungen aus meiner Schule angegriffen. Sie rissen mir das Top runter, entblößten meine nackte Brust und schrien immer wieder: „Lass mich deine kleinen Brüste sehen.“ Es ist immer noch unangenehm für mich daran zurück zu denken und sie in der Öffentlichkeit zu sehen.)


(als ich 10 war, sagte mein Lehrer, dass er mich mit 18 sehen möchte, weil er dachte, ich würde ein ‚Cracker‘ sein)


(als ich 12 war. Es war mein Cousin. Es ist mehr als einmal passiert.)

Bereits durch andere Hashtags, wie #aufschrei oder #metoo, wurden Belästigung und sexualisierte Gewalt zum Thema gemacht. Es ist wichtig und richtig, dass Frauen nicht länger über ihre Gewalterfahrungen schweigen, denn diese sind kein individuelles oder privates, sondern ein gesellschaftliches Problem. Nicht zuletzt durch solche Gewalt werden Frauen in ihrer unterdrückten Position gehalten.

Durch die öffentliche Debatte, die um das Thema Gewalt gegen Frauen entstanden ist, wurden bereits einige Dinge erreicht. So wurde beispielsweise 2016 die Forderung „Nein heißt Nein!“ gesetzlich verankert. Was aber noch viel wichtiger ist: Dass Frauen die alltägliche Gewalt, die sie erleben, nicht weiter hinnehmen und beginnen, sich damit gegen ihre Unterdrückung zur Wehr zu setzen.