Am morgigen 20. November beginnt der Prozess gegen den deutschen Sozialarbeiter und Journalisten Adil Demirci in Istanbul

Seit dem 13. April sitzt Demirci in türkischer Haft und befindet sich seit Monaten im Hochsicherheitsgefängnis in Silivri. Demirci war bei einem Urlaubsbesuch mit seiner schwerkranken Mutter einen Tag vor der geplanten Rückreise im Haus eines Verwandten von einer Spezialeinheit der türkischen Polizei festgenommen worden.

Wie bei vielen RegierungskritikerInnen und Oppositionellen in der Türkei lautet auch bei Demirci der Vorwurf der türkischen Justiz: Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation und Terrorpropaganda. Konkret wird Adil Demirci die Teilnahme an drei Beerdigungen in den Jahren 2013, 2014, 2015 vorgeworfen. Demirci hatte in der Türkei die Beerdigungen von kurdischen YPG-KämpferInnen, die im Kampf gegen den Islamischen Staat getötet wurden, für die Berichterstattung der Nachrichtenagentur ETHA besucht.

„Da die türkische Regierung der YPG feindlich gesonnen ist, drehten die türkischen Strafverfolger Adil Demirci einen Strick. Er wird wie andere auch als Geisel der türkischen Regierung festgehalten.“, so der Solidaritätskreis „Freiheit für Adil Demirci“ in einer Pressemitteilung zum Prozessauftakt.

Der Solidaritätskreis hofft darauf, dass Demirci nach dem ersten Prozesstag aus der Haft entlassen wird und unmittelbar im Anschluss nach Deutschland ausreisen darf. „Aufgrund der willkürlichen Rechtsprechung in der Türkei ist jedoch nichts auszuschließen und alles zu erwarten. Adil Demirci ist auf das Schlimmste eingestellt und hofft das Beste.“, so der Solidaritätskreis weiter.

Zur Unterstützung Demircis und zur Beobachtung des Prozesses reist heute eine Delegation aus Deutschland in die Türkei. Teil der Delegation werden unter anderem sein: Günther Wallraff, Journalist und Autor, Anke Brunn (SPD), Mitglied des Landtags NRW/Präsidium des Internationalen Bunds (IB), Sabine Skubsch, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Internationaler Bund (IB), Jörg Detjen (Die Linke), Mitglied des Rats der Stadt Köln, Heike Hänsel (Die Linke), Mitglied des Bundestages, Rolf Mützenich (SPD), Mitglied des Bundestags.