Die Entwicklung der Unternehmen in den USA liest sich seit Amtsantritt von Donald Trump wie eine Erfolgstory. – Doch lauern hinter den guten Wirtschaftszahlen in Wahrheit die ersten Krisenanzeichen?

Kommt sie nun oder kommt sie nicht? Der Einbruch der nächsten großen Wirtschaftskrise wird in den Medien seit Monaten herauf und herunter diskutiert. Dabei scheinen die Wirtschaftsdaten des stärksten kapitalistischen Landes noch völlig in Ordnung zu sein: Im dritten Quartal 2018 verzeichnete die US-Wirtschaft immerhin ein Wachstum von 3,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist zudem auf einem Rekordtief – was Präsident Trump nicht müde wird zu betonen. Eine Folge der großen Steuerreform seiner Regierung? Ende 2017 hatte der Präsident ein Gesetzespaket durch den Kongress peitschen lassen, das Unternehmen und private Haushalte – nach offiziellen Angaben – in der Spitze um 280 Milliarden Dollar entlastete. Fällt die Krise für die USA also aus?

Der Handelsblatt-Autor Daniel Schäfer ist in einem Kommentar dazu eher skeptisch (Link): Das Haus der US-Wirtschaft sei nicht nur auf Sand gebaut, sondern beginne zu sinken. Sein Kernargument: Die US-Unternehmen haben die Steuerersparnisse gar nicht in neues Kapital investiert. Die Unternehmensinvestitionen würden vielmehr auf der Stelle treten. Stattdessen steckten die Firmen Unsummen in den Rückkauf ihrer eigenen Aktien – 190 Milliarden Dollar allein im letzten Quartal. Dies habe den jüngsten Kursabsturz an den Börsen jedoch nicht aufhalten können – laut Schäfer ein Anzeichen dafür, dass die Aktienmärkte „größere wirtschaftliche Erschütterungen“ vorweg nähmen, „die nicht nur auf die USA zukommen“. Anders gesagt: Die Börsen trauen den Gewinnprognosen der Unternehmen nicht mehr. Anzeichen dafür, dass sie damit richtig liegen, seien erstens das in diesem Jahr leicht gefallene globale Handelsvolumen und die in den vergangenen zwei Wochen um ein Drittel eingebrochenen Seefrachtraten, zweitens Gewinnwarnungen aus Branchen wie der Chemieindustrie und drittens die steigenden Zinsen, sichtbar an der Wende in der Geldpolitik der Notenbanken.

Vor allem der angespannte Kredit, den Schäfer anführt, dürfte als Signal für einen drohenden Kriseneinbruch interpretiert werden. Die Risikoaufschläge auf Kredite steigen, was die künftige Finanzierung der insgesamt hoch verschuldeten Unternehmen teurer macht. Steigende Zinsen waren auch vor bisherigen Krisen die Regel. Nimmt man hinzu, dass viele Unternehmen lieber ihre eigenen Aktien zurückkaufen, anstatt jetzt Investitionen zu tätigen, liegt der Verdacht auf einen Crash nahe: Die eigenen Aktien selbst vom Markt zu kaufen und damit den Kurs zu stützen, wäre immerhin eine plausible Vorbereitung auf ein drohendes „Massaker“ an den Börsen, bei dem die stärksten Firmen die schwächsten schlucken. Die große Neuanlage von Kapital könnte dann warten, bis das Schlimmste überstanden ist. Trumps Steuerreform wäre vor diesem Hintergrund eine Vorbereitungsmaßnahme, ein staatliches Füllen der Kriegskassen der Unternehmen, bevor der große Sturm hereinbricht.