Letzte Woche hat sich die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD zusammen mit den Oppositionsparteien „Die Grünen“ und „FDP“ auf eine geplante Grundgesetzänderung geeinigt. Ziel soll es sein, den Weg frei zu machen für den sogenannten „DigitalPakt Schule“. Doch ist es das, was die Schulen benötigen? – Ein Kommentar von Dirk Paul Shevek.

Eine Grundgesetzänderung soll es dem Bund in Zukunft erlauben, die geplante Digitalisierung der Schulen zu finanzieren. Insgesamt will der Bund über fünf Jahre fünf Milliarden Euro für die geplante Digitalisierung der Schulen in Deutschland zur Verfügung stellen. Bislang sind allein die Bundesländer für die Finanzierung der Schulen verantwortlich.

Geld für Laptops und WLAN

Es sollen unter anderem alle Schulen in Deutschland Geld für Laptops, Notebooks und Tablets erhalten können. Auch WLAN in den Schulen, die Entwicklung von Lern- und Kommunikationsplattformen, interaktive Tafeln und Schulserver sollen mit dem Geld finanziert werden können. Mit dem Kompromiss ist die Zweidrittelmehrheit zur geplanten Grundgesetzänderung wohl sicher. Allerdings nur im Bundestag – eine Zweidrittelmehrheit ist jedoch ebenfalls im Bundesrat nötig.

In den Erklärungen von Politikern und Parteien auf Bundes- und Länderebene war in den letzten Tagen die Anschaffung von Laptops und Tablets für alle Schulen ein zentrales Thema. Die Presse hat sich von diesem politischen Show-Effekt willig blenden lassen und ebenfalls die Endgeräte in ihrer Berichterstattung besonders betont. Auch wenn die Geräte auch an die jeweiligen Schulen gebunden sind, so klingt die Nachricht passend zur Vorweihnachtszeit: Die Bundesregierung schenkt jedem Kind einen Laptop und ein Tablet.

laptop photo

Soziale Spannung vorprogrammiert

Nun ist die flächendeckende Beschaffung der Geräte jedoch eine sehr fragwürdige, weil wenig nachhaltige Investition. Wie lange werden die einmalig vom Bund finanzierten Geräte wohl halten: 3 oder doch 5 Jahre? Wenn das Ganze also zum technischen Standard in Schule gehören soll, wird es wohl darauf hinauslaufen, dass die Familien die Geräte selber beschaffen dürfen, soziale Spannungen vorprogrammiert. Es ist damit zu befürchten, dass ein Großteil der Milliarden sinnlos ausgegeben wird, um Fotos von PolitikerInnen in Klassenräumen aufzunehmen, in denen die SchülerInnen an Laptops lernen.

Ebenfalls zweifelhaft ist, ob die nun so gefeierte Digitalisierung der Schulen einhalten kann, was die Politik verspricht. Sicher können sinnvolle Investitionen mit dem Geld getätigt werden, doch tut die Politik so, als würde der Einsatz von digitalen Medien in der Schulbildung automatisch zu einer Verbesserung von Bildung beitragen. Zahlreiche Studien widerlegen allerdings diese Annahme.

Zwar könnten digitale Medien spezielle Unterrichtsprozesse ermöglichen, die für sich hilfreich sind und die Lehre verbessern, doch ein Selbstläufer ist dies noch lange nicht. Ob Aufgaben auf dem Notebook oder mit Stift und Papier erledigt werden, Lerninhalte über digitale oder analoge Medien aufgenommen werden, ist nicht das Entscheidende.

Digitalisierung löst nicht langjährige Probleme

WLAN im Klassenraum macht Anna und Alexander nicht zu zukünftigen EntwicklerInnen von Künstlicher Intelligenz, nach der die Bundeskanzlerin sich so sehnt. Auch der Verband der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ist zu enttäuschen, wenn er fordert: „Gute MINT-Bildung ist auch gute digitale Bildung. Darum muss der DigitalPakt Schule endlich zügig umgesetzt werden“. Er erhofft sich so die Lösung des gravierenden Fachkräftemangels in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Saftige Investitionen in LehrerInnenausbildung und -fortbildung, Maßnahmen zur Bekämpfung von sozialer Ungleichheit und Armut, finanziert durch höhere Besteuerung von Reichen und Konzernen wären für diese Vorhaben viel entscheidender, dürften dem BDA allerdings nicht gefallen.