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Der letzte Kämpfer des Warschauer Ghettos ist gestorben

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Simcha Rotem, der letzte noch lebende Kämpfer des Aufstands von Warschau, ist im Alter von 94 Jahren in Jerusalem gestorben. Mit seinem Tod beginnt die Zeit der nicht mehr lebenden Zeitzeugen.

Vor 75 Jahren, am 19. April 1943, erhoben sich in Warschau jüdische Widerstandsgruppen gegen schwerbewaffnete SS-Einheiten und die deutsche Wehrmacht. Mit ihrem Aufstand im Ghetto zeitigten sie den größten bewaffneten Widerstandsakt von Jüdinnen und Juden in Europa gegen die Nationalsozialisten. Die Jüdische Kampforganisation (ZOB) sowie der Jüdische Militärverband (ZZW) waren maßgeblich an den schweren Gefechten beteiligt. Vom 19. April bis 16. Mai 1943 setzten sich die Bewohnerinnen und Bewohner vehement gegen die deutschen Besatzer zur Wehr und zwangen sie mehrmals, das Stadtgebiet des Ghettos zu verlassen.

Die Besatzer dachten nie an einen Aufstand

Entgegen der Annahme der Deutschen setzten sich die jüdischen Kämpferinnen und Kämpfer zur Wehr. Eine völlig unterlegene Bewaffnung, sowie kaum vorhandene Lebensmittel, ließen den Aufstand aussichtslos erscheinen. Simcha Rotem erinnerte sich 2014 daran, dass er bis dahin nie gesehen habe, wie die Deutschen vor Juden flüchteten (Link). Für ihn war der Kampf ein Akt der Selbstermächtigung. Er und seine MitstreiterInnen wollten selbst entscheiden, wie sie den Tod finden wollten: „Lieber im Kampf gegen die Nationalsozialisten fallen, als in den Gaskammern zu ersticken“ (Link). Rund 750 Menschen stellten sich den 2.000 Soldaten und Polizisten in den Weg. Am Ende forderten die Kämpfe circa 12.000 Opfer. Zusätzlich wurden 30.000 Menschen nach den Auseinandersetzungen erschossen und 7.000 in die Vernichtungslager deportiert. Die wenigen Überlebenden, wie Simcha Rotem, konnten durch Abwasserkanäle fliehen.

Neues Leben in Israel

Nach seiner Einreise nach Israel war er eine angesehene Persönlichkeit und war in der Gedenkstätte Yad Vashem in einem Komitee tätig, das die Menschen auswählte, welche als die „Gerechten unter den Völkern“ benannt und geehrt wurden. Zu seinem Tod wurde letzte Woche in ganz Israel getrauert, und an Schulen wurden Gedenkveranstaltungen abgehalten. Nach seinem Tod ist nun nur noch eine Person bekannt, die sich aktiv an dem Aufstand beteiligt hat: Die 89-jährige Aliza Vitis-Shomron. Während des Aufstands hatte sie Flugblätter verteilt.

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