Etwa 40.000 Menschen nahmen zwei Tage vor Heiligabend an Demonstrationen und Blockaden im ganzen Land teil. In Paris kam es erneut zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. 140 Menschen wurden in der Hauptstadt verhaftet, darunter der bekannte LKW-Fahrer und Aktivist Eric Drouet.

Auch am sechsten Samstag in Folge haben in ganz Frankreich Menschen in gelben Westen an Aktionen gegen Präsident Macron und die Politik der französischen Regierung teilgenommen. Französische Medien sprechen übereinstimmend von landesweit etwa 40.000 TeilnehmerInnen und damit einer rückläufigen Zahl. Neben Demonstrationen in großen Städten kam es auch wieder zu Straßenblockaden.

In Paris demonstrierten einige Tausend Gelbwesten. Hier kam es laut der Internetseite der Tageszeitung „Le Monde“ erneut zu heftigen Auseinandersetzungen von DemonstrantInnen mit der Polizei. Auf einem Video des Journalisten Clément Lanot bei Twitter ist etwa zu sehen, wie eine Gruppe Protestierender auf den Champs-Elysées zwei Polizisten mitsamt ihren Motorrädern zu Boden drückt und danach mit Gegenständen bewirft. Ein Polizist zieht daraufhin seine Waffe.

Auch Russia Today berichtet von „Rauch“ und zahlreichen „Raufereien“ in der Hauptstadt im Laufe des Nachmittags, nachdem der Tag zunächst mit „ruhigen“ Demonstrationen begonnen habe (Link). Schwerpunkt der Auseinandersetzungen seien der Bezirk Montmartre im Norden von Paris, aber auch die Straßen um die Kirche La Madeleine, den Louvre und die Basilika Sacré-Coeur gewesen. Am Abend hätten Gelbwesten versucht, den Verkehr auf den Champs-Elysées zu blockieren und seien dort mit der Riot-Polizei zusammengestoßen. Dies war offenbar auch der Hintergrund der Szenen im Video des Journalisten Lanot. Bis 18 Uhr seien in Paris 140 Menschen festgenommen worden, darunter mit dem LKW-Fahrer Eric Drouet ein bekanntes Gesicht der Gelbwesten. Ihm werde vorgeworfen, eine „illegale Demonstration“ organisiert zu haben, die den öffentlichen Verkehr gestört habe, sowie eine „offensive Waffe“ getragen und sich an einem gewalttätigen Mob beteiligt zu haben.

Laut Le Monde und Figaro hätten einige Dutzend DemonstrantInnen vor der Basilika Sacré-Coeur auch antisemitische Gesänge angestimmt (Link).

Doch nicht nur in Paris war die Lage auch am vierten Adventswochenende alles andere als ruhig. Auch in anderen großen französischen Städten kam es zu Demonstrationen und Ausschreitungen, so etwa in Lyon, wo die Polizei erneut Tränengas einsetzte. Laut Russia Today habe eine Gruppe von Protestierenden dort versucht, den Sitz des Fernsehsenders Euronews zu stürmen. Die DemonstrantInnen erklärten demnach, sie wollten „die Lügen richtigstellen, die von den Medien verbreitet werden.“ Sie würden wiederkommen.

Auch in Nantes sei es bei einer Demonstration von etwa 800 Menschen zu heftigen Straßenschlachten mit der Polizei gekommen.

Gewalttätig? Rechts oder links? – Wer sind die „Gelbwesten“?

In der südwestfranzösischen Stadt Angoulême wollen die Behörden strafrechtliche Ermittlungen einleiten, nachdem etwa 90 DemonstrantInnen dort bereits am Freitagabend eine Puppe des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit einer Axt enthauptet und den Kopf auf einen Spieß gesteckt haben. Sie seien anschließend dort herum getanzt. Die Präfektin des Départements Charente, dessen Hauptstadt Angoulême ist, erklärte, diese Ereignisse griffen „sowohl die Person als auch die Funktion des Präsidenten der Republik“ ernsthaft an.

Auf der Autobahnmautstelle Le Boulou in Südfrankreich versammelten sich zahlreiche Gelbwesten und schwenkten katalanische Fahnen, offenbar als Zeichen der Solidarität mit den Protesten am Freitag in Barcelona.

Im südfranzösischen Perpignan ist es bei der Blockade eines Kreisverkehrs erneut zu einem tödlichen Autounfall gekommen, bei dem der Fahrer eines PKWs starb. Die Zahl der Todesfälle im Zuge der Protestbewegung stieg damit auf zehn.

Landesweit hat es am Samstag laut Russia Today 220 Verhaftungen und 81 Ingewahrsamnahmen gegeben. Die Zahl der Festgenommenen seit Mitte November liege damit bei insgesamt 4.500.