Sie begleitete einen Freund, der aus Afghanistan floh, zum Psychiater um zu übersetzen. Die Diskriminierung und den Hass, der den beiden begegnete, haben unsere Autorin veranlasst, über die Situation Geflüchteter in Deutschland und strukturellen Rassismus zu schreiben.

Es gibt Menschen, die an ihrem Lebensmittelpunkt aufgrund imperialistischer Kriege keine Sicherheit mehr haben, ihr Leben ist durch politische Bedrohung, gewalttätige Auseinandersetzungen, (Bürger-)Krieg und andere lebensbedrohliche Notlagen in Gefahr. Sie müssen vorübergehend oder dauerhaft ihre Heimat verlassen, sich auf eine Flucht begeben und mit grausamen Schleusern auf den Weg machen.

Aber wo gibt es Sicherheit? Natürlich in den imperialistischen Ländern. In den Ländern, die immer ihre Finanzkrise mir Waffen und Krieg in den Nahen Osten exportieren. Bei den bekannten verbrecherischen Kapitalisten, die Volksrevoultionen und Bewegungen nach ihrem schmutzigen Interesse manipulieren, die radikale nationalistische oder religiöse Gruppen unterstützen ebenso wie menschenverachtende, frauenfeindliche und faschistische Parteien, damit sie an die Macht kommen.

Aber wenn die ökonomische Krise noch schlimmer wird, brauchen sie immernoch billige Rohstoffe, billige Arbeitskräfte oder geklaute Bodenschätze aus dem nahen Osten. Dann reichen ihre Söldner dort nicht oder hören nicht, wie vorher, auf sie. Vielleicht werden ihnen dann die Menschenrechte, die sie für ihre Profite jahrelang verletzt und verachtet haben, wichtig und sie spielen die Rolle der Helden, die die Menschen dort von einer Diktatur befreien müssen oder ihnen die Freiheit schenken.

Dann bombardieren die Tag und Nacht die Länder oder schicken ihre Soldaten, für die Interessen des kapitalistischen Vaterlandes zu kämpfen, bis das letzte Krankenhaus und die letzte Schule zerstört wird. Die Besetzungstruppen behandeln die Menschen in ihrem Land wie Tiere, sie vergewaltigen die Frauen und töten unschuldige Menschen. Nur wenn das Land einhundertprozentig zerstört ist, kehren die Soldaten zurück in ihr Vaterland, weil dann die Großkonzerne mit ihren kapitalistischen Plänen die Aufgabe übernehmen. Das ist der Teufelskreis des Kapitalismus im Nahen Osten.

Aber durch den Krieg und die Barbarei verlieren Menschen ihre Arbeit, ihre Häuser werden zerstört und sie haben nichts zu essen und zu trinken. Die einzige Möglichkeit, die Menschen dort haben, ist die Flucht nach Europa oder in die USA.

Ärztin: „Gehen sie zurück und kämpfen um Afghanistan.“

Heute habe ich den Afghanen A.R. in Halberstadt zum Arzt begleitet in einer Psychatrie, um zu übersetzen. Herr R. leidet seit Jahren unter schweren Depressionen. Er ist mit seiner Familie (zwei kleine Kinder) seit dreieinhalb Jahren in Deutschland und seit dem wohnen sie in einem kleinen Dort, das Osterwick heißt. Seit drei Jahren sucht er nach Hilfe, dass er eine ordentliche Behandlung bekommen kann.

Endlich hat er mit Hilfe der Diakonie einen Termin bei Dr. T. W. bekommen.

Als wir in ihrem Sprechzimmer waren, hat sie ihn gefragt: „Was kann ich für sie tun?“ Dann hat Herr A.R angefangen von seiner schweren Depression und von den Sachen, die er in Afghanistan erlebt hatte, zu erzählen. Auch von seinen momentanen psychischen Problemen, wie Ängste, Schlafstörung, tägliche Kopfschmerzen und ……
Sie wurde aber so unmenschlich, unprofessionell und verantwortungslos zu ihrem Patient und hat gesagt: „Dann kehren sie nach Afghanistan zurück und bauen sie ihr Land auf, dann haben sie keine Schmerzen mehr. Mein eigener Mann war zehn Jahre in Afghanistan mit unseren Soldaten und sie haben um das Land gekämpft, und sie wurden dort von euch schlecht behandelt, ich habe so viel Angst um ihn gehabt. Warum sind sie hier, gehen sie zurück und kämpfen um Afghanistan.“

Als Mensch konnte ich nicht mehr schweigen. Meine Hände und Füße haben angefangen zu zittern, meine Augen waren voll mit Tränen. Dann habe ich angefangen zu reden: „Das ist offenbarer Rassismus und Diskriminierung. Sie sind eine Ärztin sie sind da Menschen zu helfen nicht sie zu beleidigen und sie zu verachten. Sie dürfen nicht ihre persönlichen Hassgefühle mit der Arbeit mit Menschen einmischen.
Und bitte schön, was machen ihre Soldaten in Afghanistan? Die sind absolut nicht da um Afghanistan zu beschützen, sondern die Interessen ihres Vaterland zu beschützen und zu erweitern. Außerdem sind die Soldaten aus unser Sicht nur Besetzer und ich werde diese Verhalten veröffentlichen“. Dann sind wir aus dem Sprechzimmer ohne Behandlung und Medikamente raus gekommen.

Herr A.R. war unter Schock, er konnte nicht nachzuvollziehen was grade passiert ist und wie kann eine Ärztin, eine Frau, so grausam und rassistisch denken.

Ich verstehe nicht, wo dieses Land hin geht. Warum überall und in jeder Behörde, in jedem Amt so rassistische, menschenverachtende Leute mit freier Hand in Machtpositionen sitzen und hetzen und die machtlosen, hilflosen Menschen wie die Flüchtlinge einfach und ohne Angst beleidigen, erniedrigen und misshandeln.

Eine menschliche Tragödie ist das, wenn sich in einem Land die Schutzsuchenden so einsam und hilflos bei deutschen Behörden, deutschen Ämtern und deutschen Ärzten finden. Das ist nur ein Beispiel von tausenden Beispielen vom Rassismus und Diskriminierung, die Flüchtlinge am Tag bei den verschiedenen Ämter und Behörden erleben.