Wirtschaftsinstitute korrigieren Prognosen weiter nach unten, Konzerne rüsten sich mit Sparprogrammen

Die großen deutschen Wirtschaftsinstitute sind sich einig: Der Wirtschaft steht in Deutschland eine Phase sehr schwachen Wachstums bevor. Der konjunkturelle Boom der letzten Jahre findet somit sein Ende. Am Donnerstag senkte auch das Ifo-Institut seine Konjunkturprognose für Deutschland stark nach unten.

Für das kommende Jahr sagen die ForscherInnen des Instituts für die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) nur noch ein Wachstum von 1,1 % voraus. Bisher lautete die Prognose noch 1,9%. Mit diesen Zahlen unterbietet das Ifo-Institut nochmal die Schätzungen der beiden anderen großen Institute DIW (1,6%) und IfW (1,8%), die bereits gestern ihre Zahlen bekannt gaben.

„Brexit, Italien und die US-Handelspolitik.“

Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser sieht vor allem in den weltpolitischen Fragen den Grund für die schwächer werdende Wirtschaftsleistung: „vor allem Brexit, Italien und die US-Handelspolitik.“. Auch die Probleme der deutschen Autobauer würden einen wichtigen Teil zur negativen Gesamtlage beitragen. Es handle sich bei der Entwicklung des BIPs aber lediglich um eine Abkühlung und nicht um eine Rezession, so Wollmershäuser weiter.

Die deutsche Wirtschaft ist besonders von den Entwicklungen auf dem Weltmarkt und der Weltpolitik abhängig. Das überaus große Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre hatte Deutschland seinen hohen Exportüberschüssen zu verdanken. Die Abschwächung der Nachfrage aus dem Ausland kann vom deutschen Binnenmarkt nicht ausgeglichen werden. Der ungewisse Handelsstreit zwischen China und den USA trifft die stark exportorientierten deutschen Firmen darum heftig. Mehr als zwei Drittel ihrer Umsätze erwirtschaften die 100 größten börsennotierten Unternehmen im Ausland, im Mittelstand liegt der Anteil immerhin auch noch bei ca. 50 %.

Konzerne bereiten Sparprogramme vor

Deutsche Großkonzerne richten sich deshalb auf die kommende konjunkturelle Phase bereits mit massiven Sparprogrammen ein. Diese dürften auch viele der MitarbeiterInnen zu spüren bekommen. Der europaweit größte Chemiekonzern BASF beispielsweise hat bekanntgegeben, 2 Milliarden Euro einsparen zu wollen. Wie viele Arbeitsplätze durch das Sparprogramm gefährdet wären, will der Konzern nicht verraten.

Konkreter wird da schon BASFs größter Konkurrent Bayer. Der will weltweit 12.000 Stellen streichen, was etwa 10% der Belegschaft entspricht, und damit 2,6 Milliarden Euro sparen. Auch Deutschlands größter Autobauer Volkswagen hat vor, bis 2020 seine Kosten um 3 Milliarden Euro zu senken.

ExpertInnen gehen davon aus, dass im kommenden Jahr noch einige weitere Unternehmen, vor allem aus der Industrie, sich so umstrukturieren werden, dass Kosten eingespart werden. -Soziale Spannungen im kommenden Jahr werden nicht ausbleiben.