In Dessau sind rund 800 Menschen in Gedenken an Oury Jalloh aus Sierra Leone auf die Straße gegangen. Er war am 7. Januar 2005 im Polizeigewahrsam verbrannt.

Erneut sind viele hundert Menschen nach Dessau gekommen: Sie zogen vom Hauptbahnhof an der Staatsanwaltschaft, dem Amtsgericht, dem Landgericht und einem Abschiebegefängnis entlang bis zum Polizeirevier Dessau. Hier verbrannte der Sierra Leoner Oury Jalloh im Jahr 2005. Zuvor war er bei einer Personenkontrolle in Gewahrsam genommen worden.

 

Bis heute gibt es erbitterten Streit um die Hintergründe seines Todes. Nach zwei vorherigen Verfahren wurde das letzte Ermittlungsverfahren wurde am 12. Oktober 2017 eingestellt, Ende November 2018 verweigerte der Generalstaatsanwalt des Landes Sachsen-Anhalt die Wiederaufnahme. Man gehe davon aus, dass sich Jalloh selbst angezündet habe.

Die „Initiative Oury Jalloh“ argumentiert, dass sich der Sierra Leoner nicht ohne Fremdeinwirkung habe anzünden können, sondern dass Brandbeschleuniger zum Einsatz gekommen sein muss.

Der Tod von Oury Jalloh wird neu verhandelt

Am 30. Dezember 2018 hat deshalb Beate Böhler, Anwältin der Familie von Oury Jalloh, Anzeige wegen Mordes gegen zwei konkret benannte Dessauer Polizeibeamte beim Generalstaatsanwalt in Naumburg gestellt.

Darüber hinaus wurde eine Internationale Unabhängige Kommission aus elf ehrenamtlich arbeitenden Wissenschaftlern und Aktivisten aus Italien, Frankreich, Großbritannien, den USA, Österreich, Senegal sowie Deutschland aufgestellt. Diese ermittelt eigenständig in von ihr als „Oury-Jalloh-Komplex“ bezeichneten Vorfällen in dem Dessauer Polizeirevier.

In Dessau kommt es immer wieder zu rassistischer Gewalt und Polizeigewalt:

  • 1997 wird Hans-Jürgen Rose von Dessauer Polizisten aufgegriffen und mit aufs Revier genommen. Später findet man ihn ein paar Straßen weiter – verstorben an inneren Verletzungen
  • 2000 wurde Aberto Adriano von einem Nazi ermordet.
  • 2002 stirbt der Obdachlose Mario Bichtemann an einem Schädelbasisbruch auf dem Dessauer Revier.
  • 2016 wurde Yangjie Li von einem Polizistensohn vergewaltigt und ermordet.