Als sie 16 war, erschoss Cyntoia Brown einen Mann, ihren Zuhälter. Sie ist Überlebende von Menschenhandel und Zwangsprostitution und nennt den Mord, für den sie als Minderjährige zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, Notwehr. Nun wurde sie begnadigt.

Cyntoia Brown erschoss vor 14 Jahren einen 43-jährigen Mann, der sich „Cut-throat“ nannte. Er war ihr Zuhälter, und als er nach Stunden, in denen er sie gefangen hielt und sexualisiert angriff, nackt auf sie zukam, griff sie zu einer seiner Waffen und schoss ihm in den Kopf.

Zu dem Zeitpunkt hatte Cyntoia Brown bereits Menschenhandel überlebt, wurde als seine „Sexsklavin“ genötigt, wurde durch Drogen von ihm abhängig gemacht und arbeitete für ihn als Prostituierte. In der Zeit bei ihm hat sie zahlreiche körperliche Angriffe erlebt. „Er erklärte mir, dass manche Menschen als Hure geboren werden, und dass ich ein solcher Mensch sei. Und das Beste, was ich tun könne, sei zu lernen, eine gute Hure zu sein“, erzählte Brown bei einer Anhörung.

Nachdem ein Dokumentarfilm über sie gedreht wurde, bekam ihr Fall allgemeine Aufmerksamkeit. Viele prominente Frauen, darunter Kim Kardashian und Rihanna, nutzten ihre Reichweite, um den Fall bekannt zu machen. Bill Haslam, Gouverneur des Bundesstaates Tennessee, begnadigte sie, der Fall sei komplex und tragisch, die Strafe zu harsch – am 7. August wird sie mit 10 Jahren Bewährung aus der Haft entlassen werden.

Der Anwalt verlas Browns Statement, das mit den Worten: „Mit Gottes Hilfe bin ich entschlossen, den Rest meines Lebens damit zu verbringen, anderen zu helfen, besonders jungen Menschen. Meine Hoffnung ist, anderen jungen Mädchen zu helfen, dass sie nicht in die Situation geraten, in der ich war. Danke.“ endet.

Massenhafter Protest durch schwarze Frauen

Neben der Öffentlichkeit, die der Dokumentarfilm erzeugte, übten immer wieder Gruppen von (vor allem migrantischen) Frauen in den USA Druck aus, sich des Falls erneut anzunehmen.

„Dass Cyntoia Brown jetzt Gnade erfährt, ist das Ergebnis davon, dass schwarze Frauen sich organisieren! Vielen Dank! Besonders @prisonculture [Anmerkung: Ein Account auf twitter, der über die Situation schwarzer Frauen in der US-Justiz und in Haft berichtet]

Obwohl die Frauen sich jetzt über einen Erfolg und vor allem für Cyntoia Brown freuen, prangern sie ein strukturelles Problem an: Zu viele Frauen müssten erleben, dass sie erst sexuelle Übergriffe und Zwang in die Sexarbeit überleben und dann, wenn sie sich zur Wehr setzen, verurteilt werden.

„Viel zu viele schwarze Frauen und Mädchen passen in die Kategorie „#ÜberlebtUndBestraft“, [Anmerkung: der Hashtag wurde durch den Account @prisonculture ins Leben gerufen]. Cyntoia Brown war eine von ihnen und heute feiern wir, dass sie am 7. August auf Bewährung entlassen wird.“

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