Der Faschismus in Deutschland versucht seit längerem Kriminalität von MigrantInnen und Geflüchteten in ein rassistisches Korsett zu zwängen. Sie warnen vor einem scheinbar bevorstehenden Bürgerkrieg, auf den sie sich selbst ausgiebig vorbereiten. – Ein Kommentar von Felix Thal

Alexander Gauland Gauland (AfD) warnt in einem Interview vor einem drohenden Bürgerkrieg, seine Partei fabuliert auf Plakaten von „Rassismus gegen Deutsche“ und die „Identitäre Bewegung“ wirbt auf Aufklebern mit dem Slogan „Wehr dich!“ – sie alle eint die Erzählung eines baldigen Bürgerkrieges. Dieser sei von der herrschenden Politik gewollt und werde zwischen Deutschen und Ausländern ausgetragen werden. Es existiere eine drohende Macht in Form von Geflüchteten, gegen die sich die Volksgemeinschaft kollektiv wehren müsse, da sonst dem Volk Gewalt und Krieg drohten.

In dieses Schema passt es, wenn Kriminalität, die mutmaßlich von Ausländern begangen wird, in einen Konflikt zweier Ethnien gezwängt wird. Wie in Chemnitz 2018 geschehen, wird die Tötung eines Deutsch-Kubaners durch zwei Geflüchtete uminterpretiert, um die Logik eines „Rassenkrieges“ zu erfüllen. Dieses Ereignis zog tausende Menschen unter rassistischen Parolen durch Straßen und MigrantInnen wurden durch die Stadt gejagt.

Die Risikofaktoren für Kriminalität, wie z.B. Armut, fehlende Bildung, Alter oder eigene Gewalterfahrungen werden von Faschisten der AfD oder rechten Hooligans wissentlich ausgeblendet und nur mit Hilfe von rassistischen Kategorien als ein Akt des Krieges bezeichnet. Für sie ist die multikulturelle Gesellschaft nicht gescheitert, weil sie vermeintlich nicht funktionieren würde, sondern weil die bloße Anwesenheit einer zugewanderten Person bereits einen Kriegsakt darstellt.

Faschisten üben für „Tag X“

Mit der Erzählung eines Bürgerkriegsszenarios geht einher, dass sich Faschisten immer weiter für den Kampf auf der Straße vorbereiten und diesen propagieren. In der ganzen Republik werden Räumlichkeiten angemietet, um sich einer Kampfsportausbildung zu unterziehen und sich auf den „Tag X“ vorzubereiten. Gleichzeitig wachsen Kampfsport-Großevents, die nicht wie früher konspirativ organisiert werden, sondern offen auf Facebook und Youtube für sich Werbung machen. Diese dienen zur Finanzierung rechter Strukturen, Vernetzung, Rekrutierung und Weitergabe der Propaganda. Sie arbeiten ganz offiziell und kommen durch Anmeldung bei den Behörden völlig legal daher. Auch die Enthüllungen um den Verein Uniter sind Teil dessen.

Die Faschisten warnen also vor einem Konflikt, den sie selbst herbeiführen wollen – er wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Ob wir es wollen oder nicht – ihr handeln zwingt uns dazu, den antifaschistischen Selbstsschutz in die eigenen Hände zu nehmen.

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