Wie der Frauenkampftag 2019 international ausgesehen hat, möchte ich euch im folgenden zeigen. – Eine Zusammenstellung von Tabea Karlo

Frankreich

In Frankreich setzte sich die Tradition des letzten Jahres fort: um 15:40 Uhr legten einige Frauen dort ihre Arbeit nieder. Diese Uhrzeit wurde extra ausgerechnet, sie steht dafür, dass Frauen immer noch weniger bezahlt wird als Männern, obwohl im selben Job gearbeitet wird. Würden Frauen in Frankreich gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, dann würden sie jeden Tag ab 15:40 sozusagen kostenlos arbeiten. Deshalb legten die Frauen dort ihre Arbeit nieder und machten sich gemeinsam mit tausenden anderen auf zu Demonstrationen.

Italien

In Italien wurde nicht nur viel demonstriert, sondern tatsächlich auch durch die Gewerkschaften zu einem 24 Stunden langen Streik aufgerufen. Die besonders bestreikten Sektoren waren dabei Bildung und öffentlicher Verkehr. Viele Reiseanbieter sahen sich dank der Erfolge der Streiks in den letzten Jahren bereits im Vorhinein gezwungen, auf ihren Webseiten Verspätungen oder Ausfälle bei Zug- und Bahnreisen anzukündigen. Eine der größten Frauenbewegungen Italiens „non una di meno“ (dt.: nicht eine weniger) rief ebenfalls zu den Streiks auf und organisierte viele der Demonstrationen, die vor allem die Thematik der immer noch verstärkten Gewalt gegen Frauen in den Vordergrund rückten und stärkere Strafen für Täter forderten.

Spanien

Auch in Spanien waren die Frauen am 8.März wieder sehr aktiv, die Streiks und Demonstrationen übertrafen die vom letzten Jahr noch um Längen. In Madrid beispielsweise waren fast doppelt so viele Frauen auf den Straßen wie im Jahr davor: in 2018 zählte man knapp 170 Tausend, für die Demonstrationen dieses Jahr geht man von fast 350 Tausend aus. Auch in Valencia mit 220 Tausend und Barcelona mit 200 Tausend wurde am Frauenkampftag ordentlich Präsenz gezeigt. In Bilbaos Straßen sangen über 10 Tausend Frauen gemeinsam das Lied „ Zutik Emakumeak“, ein antifaschistisches Lied, das ursprünglich von den internationalen Brigaden zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs gesungen wurde. Die Frauenstreiks fanden in Spanien dieses Jahr unter einem Motto statt, dass sich übersetzen lässt mit „Wir haben 1000 Gründe“. Es soll verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass Frauen auf die Straße gehen.

Asien

In Asien verhält es sich ähnlich wie in Europa und in allen anderen Teilen der Welt: jedes Land hatte einen eigenen Fokus bei den Protesten. Dass sie hier verallgemeinernd unter dem Punkt Asien aufgelistet sind, liegt vor allem daran, dass die Demonstrationen dort kleiner waren und uns leider nicht genug Informationen über sie zur Verfügung stehen. Beispielsweise waren in New Dehli und Indien hunderte von Frauen auf den Straßen. Sie forderten das Ende von Gewalt gegen Frauen und betonten, dass auch Zwangsheirat eine Form der Gewalt darstellt. In Jakarta und Indonesien lag der Fokus der Protestierenden besonders auf der Thematik, dass Frauen dort oft entlassen werden, wenn man feststellt, dass sie schwanger sind. Südkoreas Frauenproteste stellten die sogenannte „Hexenjagd“ in den Mittelpunkt. Sie kleideten sich wie Hexen und versuchten damit zu symbolisieren, wie man in ihrer heutigen, sehr konservativen Gesellschaft verurteilt wird, so sehr, dass es fast einer „Hexenjagd“ gleicht.

Südamerika

In Südamerika waren zwar viele der Proteste groß, aber dafür finden wir leider in diesem Artikel nicht mehr allzu viel Platz. Von daher muss ich das ein wenig straffen, was schade ist, wenn man betrachtet, wie viele Frauen in diesen Ländern demonstriert haben und wie stark und kämpferisch es war. In Bolivien demonstrierten die Frauen z.B. mit übergroßer Unterwäsche, auf der Nachrichten standen wie „Unterwäsche eines unverantwortlichen Vaters“ oder „Unterwäsche eines Kinderschänders“, womit sie sich vor allem für freien und sicheren Zugang zu Abtreibungen einsetzten. In El Salvador und Argentinien stand das freie Recht auf Abtreibung ebenfalls im Zentrum, allerdings war auch die tägliche Entführung von Frauen ein großes Thema. Auch in vielen weiteren Ländern Lateinamerikas wurde demonstriert, worüber wir heute leider nicht berichten können. Wir hoffen jedoch, dass alle, die gestern auf den Straßen waren, einen kämpferischen 8. März hatten und ihre Forderungen sich bald erfüllen.

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