In den letzten paar Monaten tauchte in meiner feministischen Social Media-Blase immer wieder ein Buch auf. Überall gelobt und immer wieder vorgestellt. „Alte weiße Männer“ von Sophie Passmann. Beim Lesen des Titels tauchten vor meinem geistigen Auge sofort Männer wie Alexander Gauland auf. So jemanden empfinde ich eben als alten weißen Mann, sofern es diese Kategorie tatsächlich gibt. Dazu die überschwängliche Kritik von FeministInnen im Netz. Schließlich konnte ich nicht anders und musste das Buch lesen.

Einige Dinge vorne weg: Ich finde Sophie Passmann selbst großartig. Ich folge ihr auf diversen Kanälen im Internet, und sie bringt mich regelmäßig zum Lachen aber auch zum Nachdenken. Und auch den Ansatz, Gespräche mit eben solchen mehr oder weniger alten weißen Männern zu führen, fand und finde ich sehr spannend. Er stellt für mich einen Schritt aus der feministischen Blase heraus dar. Diesen Weg empfinde ich als mutig und zolle der Autorin dafür großen Respekt. Nur inhaltlich hat mich das Buch dann leider eher weniger vom Hocker gehauen.

Ein spannender Querschnitt

Die Auswahl der Gesprächspartner ist sehr durchmischt. Vom Gag-Autor Micky Beisenherz, den JuSo-Star Kevin Kühnert, über den eigenen Vater bis hin zum Chefredakteur der Welt Ulf Poschardt. Ein spannender Querschnitt vermeintlich alter und eher weniger alter weißer Männer. Passmanns Ansichten sind oftmals divers, aber doch irgendwie auch ähnlich. Sie beinhalten spannende Gedanken und anderseits auch totalen Blödsinn. Verpackt ist das Ganze in einem sehr amüsanten Schreibstil von Sophie Passmann. Auch hier bringt sie mich hin und wieder während des Lesens zum Schmunzeln, vor allem mit ihren Fußnoten.

Das gesamte Buch habe ich innerhalb von drei Tagen regelrecht verschlungen, weil es eben so gut geschrieben ist. Lustig und auch gut verständlich. Kein intellektueller hochtrabender Wissenschaftskram. Vielleicht ist es aber eben auch genau das, was mir fehlt. Nicht die vielen Fremdworte oder ähnliches, aber eben eine klare Analyse. Nach den Interviews war ich wahnsinnig gespannt auf Sophie Passmanns Fazit. Doch irgendwie gab es mir nichts. Es gab keinen Aha-Effekt oder kontroverse Gedanken, über die ich gerne weiter nachdenken möchte.

Für Frauenrechte kämpfen, ist das noch in?

Kann man lesen, muss man aber nicht

Hinzufügen muss ich, dass ich während des Lesens mitbekam, dass Sophie Passmann sich auch innerhalb der SPD engagiert (vermutlich war ich damit ziemlich spät dran). Ehrlicherweise möchte ich zugeben, dass auch diese Erkenntnis mein Bild von der Autorin im Zusammenhang mit dem Buch etwas getrübt hat. Aber auch ihre Fixierung auf das Thema Frauenquote (wenn auch unterschwellig) strengte mich zeitweise an. Und vermutlich betrachte ich das Buch zudem aus einer sehr feministisch geprägten Blase.

Letztlich handelt es sich um ein gelungenes Buch, lässt sich gut lesen, nicht zu lang, nicht zu intellektuell, nicht zu wissenschaftlich. Aber mehr eben auch nicht. Es hat mich wenig zum Nachdenken angeregt und mir keine neuen Erkenntnisse verschaffen können. Es hat mich auch nicht motiviert, sofort vom Stuhl zu springen und die Revolution zu beginnen – aber das war vermutlich auch nicht die Intention der Autorin.

Trotzdem ist Sophie Passmann cool, auch wenn wir inhaltlich vielleicht nicht komplett auf der gleichen Welle schwimmen. Aber das ist in Ordnung, Diskussionen und Bewegung leben ja auch von unterschiedlichen Positionen.

Mein Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht.