Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist schon seit Jahren weltweit ein Thema, denn praktisch gibt es sie nicht. Das zeigt sich in allen Lebensbereichen – ob zu Hause, im Beruf und für gläubige Menschen eben in der Kirche. An letztere richtet sich die von fünf Frauen in Münster gegründeten Initiative „Maria 2.0“. Bekanntheit erlangte diese vor allem durch die von ihnen initiierte Aktionswoche vom 11. – 18. Mai. – Ein Bericht von Tabea Karlo

Der Name der Initiative stammt laut den Initiatorinnen daher, dass „Maria 1.0“ für die allbekannte Maria stände, als Idealbild einer schweigenden, dienenden Frau. „Maria 2.0“ hingegen symbolisiere einen Neuanfang für Frauen, die sich in diesem Bild nicht mehr wiederfinden würden. Erstanden sind sie nach eigenen Angaben nach aus einem Lesekreis, der in der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster stattfand.

Grundlegende Veränderungen gefordert

Das Bild einer neuen Maria, dass die Frauen versuchen zu zeichnen, spiegelt sich auch in ihren Forderungen und Aktionen wieder. Die Frauen fordern Veränderungen, die eigentlich schon selbst verständlich seien müssten: sie wollen endlich vollwertige Mitglieder der Kirche seien und Zugang zu allen Ämtern erhalten dürfen.

Außerdem fordern sie die Bedingungslose Aufarbeitung von Straftaten innerhalb der Kirche und in Folge dessen den Ausschluss von Tätern aus kirchlichen Ämtern und die uneingeschränkte Kooperation mit Strafverfolgungsbehörden.

In ihrer letzten Forderung thematisieren sie die veraltete Sexualmoral der katholischen Kirche und bitten darum diese an die Lebensrealität der Mitglieder anzupassen, bspw. dürfen Prister der katholischen Kirche keinen Sex haben.

„Kirchenstreik“

Um die Forderungen durchzusetzen, haben sie aufgehört schweigend in ihre Kirchen zurück zugehen, sondern weigern sich während ihrer Aktionswoche kirchlichen Ämter auszuführen oder ihre Messen zu besuchen. Die Messen halten sie stattdessen in dieser Zeit draußen statt.

Doch neben dem „Kirchenstreik“ haben sich die Teilnehmerinnen auch viele kreative und aufklärende Formen des Protestes einfallen lassen. So veranstalten sie unter anderem Filmabende, Diskussionsveranstaltungen und Abendessen für Frauen. Auch reichen am letzten Tag eine Petition ein, die sich direkt an Papst Franziskus richtet.

„Maria. Mutter der Kirche“ vs. „Maria 2.0“

Nicht alle Mitglieder der Kirche sehen diese Aktionen positiv. So haben sich bereits Gegeninitiativen wie „Maria 1.0“ oder „Maria. Mutter der Kirche“ gegründet, denen es vor allem darum geht, das Frauenbild innerhalb der katholischen Kirche wieder zu festigen.

„Maria.Mutter der Kirche“ ruft beispielsweise dazu auf während der Aktionswoche für die wirklich wichtigen Anliegen der Kirche zu beten. Ingrid Mahlzahn, einer der Initiatorinnen der Gegenaktion äußerte in der katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“ dazu wie folgt „Ich bin der Überzeugung, dass die Initiative ‚Maria 2.0‘ keinesfalls die Mehrheit gläubiger katholischer Frauen vertritt und nicht nur auf mich, sondern auch auf viele andere Katholikinnen eher abschreckend und sensationsheischend wirkt.“

Ob die Aktionen der Frauen etwas bringen bleibt abzuwarten. Die Forderungen der Initiative zu verwirklichen würde einen kompletten Wandel der Machtpolitik innerhalb der Kirche bedeuten. Denn Frauen ernst zunehmen oder Missbrauchsfälle aufzuklären ist bekannterweise bis jetzt kein Teil kirchlicher Traditionen.