Die Europäische Zentralbank verlängert ihre Nullzinspolitik erneut bis mindestens 2020. Pläne für zukünftige Bankenrettungen liegen bereits auf dem Tisch.

Sie hat es schon wieder getan: Die Europäische Zentralbank (EZB) verlängert aufgrund der schlechten konjunkturellen Lage erneut ihre Nullzinspolitik. Dies entschied der Rat der EZB am vergangenen Donnerstag bei seiner Sitzung in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Bereits seit mehr als drei Jahren liegt der Zinssatz, zu dem sich Banken Geld von der EZB leihen können, auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zuletzt hatte die EZB diese Maßnahme im März verlängert.

Vor der letzten großen Wirtschaftskrise im Jahr 2009 schwankte der Leitzins der EZB zwischen 2 und 4 Prozent. Danach ging es kontinuierlich abwärts. Bereits im September 2014 lag der Leitzins nur noch bei 0,05 Prozent bis er im März 2016 schließlich auf 0,0 Prozent abgesenkt wurde.

Angst vor den Folgen einer Zinserhöhung?

„Wir sind weit entfernt von einer Normalisierung der Geldpolitik, weil die Welt weit entfernt von einer Normalisierung ist“, so EZB-Präsident Mario Draghi nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag.

Anders als das amerikanische Zentralbankensystem (FED) scheut sich die EZB seit Jahren, ihren Leitzins wieder zu erhöhen und damit die Politik des „billigen Geldes“, bzw. des Verleihens ohne Zinsen  zu beenden. Der Leitzins des FED ist seit dem Jahr 2016 von 0,25 Prozent auf zuletzt 2,5 Prozent im Dezember vergangenen Jahres gestiegen.

Ein niedriger Leitzins wird insbesondere für die künstliche Ankurbelung der Wirtschaft genutzt. Durch die niedrigen Zinsen, die von der EZB an die Großbanken und dadurch auch an Privatbanken und Unternehmen weitergegeben werden, können sich viele Konzerne, aber auch Privatpersonen Kredite leisten, die es unter normalen Umständen nicht könnten.

Durch diese Maßnahme wird der gesamte Kreditrahmen stark ausgeweitet. Größere Zinserhöhung könnten dadurch zu massiven Kreditausfällen und zu Massenpleiten führen.

Langfristige Finanzspritzen für marode Banken

Laut EZB-Präsident Draghi habe der EZB-Rat verschiedene Szenarien für die kommende Zeit durchgespielt und erwarte für die kommende Zeit deutlich schlechtere wirtschaftliche Entwicklungen.

Bereits jetzt hat die EZB neue Finanzspritzen für marode Banken beschlossen. Von September 2019 bis März 2021 will die EZB besonders günstige Kredite mit zweijähriger Laufzeit zur Verfügung stellen (diese Kredite werden TLTRO genannt). Von diesen Krediten profitieren zur Zeit marode italienische Banken am meisten.