Das lang geplante Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten in Südamerika ist jetzt beschlossene Sache. UmweltschützerInnen und Bauerngewerkschaften sind bestürzt, die deutsche Industrie- und Handelskammer feiert einen Erfolg.

Als eine „völlig unausgewogene Vereinbarung“ bezeichnete Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, das Freihandelsabkommen. Es besteht nun zwischen der EU und dem Staatenbund Mercosur, der Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay umfasst. „Das Abkommen wird die europäischen Landwirte unlauterer Konkurrenz aussetzen“, merkt auch die Chefin der französischen Bauerngewerkschaft FNSEA an.

Denn in den südamerikanischen Staaten ist der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika um einiges liberaler. Für die LandwirtInnen stellte der EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan finanzielle Unterstützung in Aussicht, sollte es zu einer Wettbewerbsverzerrung kommen.

Auch UmweltaktivistInnen kritisieren das Abkommen heftig, denn um die Agrarflächen zu vergrößern, ist in den Mercosur-Staaten Urwaldrodung eine gängige Praxis. Durch den rechten Präsidenten Brasiliens, Bolsonaro, hat die Rodung von Urwaldflächen um 50 Prozent zugenommen. Das Abkommen fördere weitere Rodungen zu Lasten der Umwelt und der Bevölkerung, insbesondere der indigenen.

Autoindustrie wittert gute Chancen

„Das ist für die deutschen Unternehmen eine überaus positive Nachricht in einem ansonsten eher trüben weltwirtschaftlichen Umfeld“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer. Es sei das erste Abkommen dieser Art u.a. mit einem größeren Automobilproduzenten, der Verband der Automobilindustrie rechne also für europäische Unternehmen mit großen Chancen. Während der Export in die Mercosur-Staaten bisher noch vergleichsweise gering war, wurde dort aber schon produziert. Rund 140 Produktionsstandorte sollen deutsche Automobilunternehmen dort haben.