Die Anzahl der Stunden an Mehrarbeit bei der deutschen Polizei scheint in den letzten Jahren gestiegen zu sein. Die Überstunden pro Kopf sind im Durchschnitt aber tatsächlich nicht höher als die anderer Arbeiterinnen und Arbeiter.

Zu Beginn des Jahres gingen Meldungen durch die Presse, die deutsche Polizei sei mit 22 Millionen Überstunden derart belastet, dass in ihren Ausbau massiv investiert werden müsse. Laut Rainer Wendt (Deutsche Polizeigewerkschaft – DPolG) sei der „linke und rechte Terror“ daran schuld, da das Arbeitspensum der Beamten stetig gestiegen sei.

Wie verteilen sich die 22 Millionen Überstunden?

Entgegen dieser Behauptungen sind die 22 Millionen Überstunden keine Mehrarbeit, die im Jahre 2018 geleistet wurde, sondern sich mit den Vorjahren gemeinsam angesammelt haben. Diese Überstunden verteilen sich nun auf rund 260.000 Polizisten, was im Durchschnitt eine Mehrarbeit pro Kopf von 85 Stunden ergibt. Im Jahre 2018 sind im Durchschnitt zudem nur sieben Überstunden hinzugekommen.

Lang anhaltende Großeinsätze wie Demonstrationen oder Fußballspiele stellen oftmals eine zeitliche Mehrbelastung dar. Die anfallende Überstunden werden allerdings durch Freizeit entschädigt, wie in jedem anderen Betrieb auch.

Für das Land Sachsen ergaben sich laut parlamentarischer Anfragen von Enrico Stange (Die Linke) gerade einmal vierzig Minuten pro Kopf im Jahr 2018. Für Sachsen-Anhalt ergeben sich im Durchschnitt sechs Überstunden pro Person und in Thüringen 2017 teilten sich im Jahr 2017 nur zwei Beamte 36 Stunden.

Die tatsächlich geleistete Arbeit übersteigt in vielen Branchen und Betrieben die vereinbarte Wochenarbeitszeit. Dies ist weder ein Alleinstellungsmerkmal der Polizei, noch ist die Lage hier vergleichbar dramatisch wie in anderen Betrieben, wie Statistiken zeigen.