Störaktionen und Farbbeutel gegen die Zurschaustellung von Kriegsmaterial. Soldaten und ZuschauerInnen greifen AntimilitaristInnen an.

Am 15. Juni feierte die deutsche Armee den diesjährigen „Tag der Bundeswehr“. Bundesweit öffneten 14 Bundeswehrstandorte ihre Türen und luden insbesondere Familien und ihre Kinder zu ganztägigen Festen zwischen Panzern und anderem Kriegsgerät ein. Es war der Höhepunkt einer seit Monaten laufenden PR-Offensive der Bundeswehr.

Auch die Staufer Kaserne im baden-württembergischen Pfullendorf beteiligte sich an dem Tag. Zum dortigen Programm gehörten unter anderem ein Militär-Konzert, eine Hüpfburg, Feldpost schreiben, eine Vorführung des Kommando Spezialkräfte (KSK) und ein Fallschirm-Sprung. Mehr als 10.000 Menschen sollen die Kaserne an dem Tag besucht haben.

Proteste gegen das „Werben fürs Sterben“

Unter den BesucherInnen waren auch eine Reihe von DemonstrantInnen, die sich gegen die militaristische Propaganda und die Normalisierung der Bundeswehr im Alltag stellten. Mit verschiedenen Aktionen machten sie auf ihr Anliegen aufmerksam, dazu gehörte die Markierung von Panzern mit Farbbeuteln, ein „Die-In“, die Besetzung eines Panzers, sowie Störaktionen gegen das Militär-Konzert und einer Präsentation der Kommando Spezialkräfte (KSK) durch ein Transparent mit der Aufschrift „KSK = rechte Terrorzelle“.

Die Reaktionen der BesucherInnen auf die Aktionen waren sehr unterschiedlich. Neben interessierten Rückmeldungen gab es vor allem Pöbeleien und verbale wie körperliche Angriffe auf die AktivistInnen. Schnell gingen auch eine Reihe von Zivilpolizisten und Feldjäger mit Gewalt gegen die AktivistInnen vor und warfen diese nach einer Personalienfeststellung vom Kasernengelände. Auch vor den Toren der Kaserne gingen die Proteste mit einer Kundgebung weiter.

„Wir konnten für Momente den trügerischen ‚familiären Festcharakter‘ durchbrechen. Wir werden auch in Zukunft keine Ruhe geben und die Bundeswehr bei öffentlichen Auftritten stören. Denn ihre Kriege sind nicht unsere Kriege.“, so das Fazit des Offenen Treffens gegen Krieg und Militarisierung Stuttgart (OTKM) zu den Protesten.

Staufer Kaserne: Erniedrigungen und sexualisierte Übergriffe

Die Staufer Kaserne ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch unzählige Skandale in der Öffentlichkeit aufgetaucht. In einem Chat sandte ein vor Ort stationierter Soldat etwa ein Bild von Auschwitz und Geflüchteten mit der Unterschrift „Hier ist für jeden von euch Platz“.

Erniedrigende und sexualisierte Aufnahme-Rituale in der Staufer Kaserne sollen ebenfalls keine Seltenheit sein. So mussten sich bei Lehrgängen Frauen vor Offizieren ausziehen und an einer fest montierten Stange tanzen, ihnen wurde in den Intimbereich gefasst und sie wurden dabei fotografiert. Neuankömmlingen wurde ein Sack über den Kopf gezogen und sie wurden anschließend abgeduscht.

Entwürdigende Methoden wie diese zielen darauf ab, die individuelle Persönlichkeit zu brechen und uneingeschränkten Gehorsam anzuerziehen. Dies ist nur eine Auswahl von einer Vielzahl an rechten Vorfällen und sexualisierten Übergriffen, wie sie in der Staufer Kaserne und anderen Bundeswehrstandorten stattfinden.