Frauen in der Schweiz organisierten in der vergangenen Woche einen Streik, an dem sich Hunderttausende beteiligten. Sie können sich dabei auf den letzten Frauenstreik vor 28 Jahren berufen.

Im Jahr 1981 verankerten PolitikerInnen der Schweiz die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Verfassung. Zehn Jahre danach, am 14. Juni 1991, legten eine halbe Millionen Frauen die Arbeit nieder – sie streikten für die Gleichberechtigung nicht nur auf dem Papier, sondern eine tatsächliche Gleichberechtigung auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens.

Am 14. Juni 2019 trugen Frauen ganz ähnliche Forderungen auf die Straße. Marie Metrailler, eine der Organisatorinnen, erklärte das Ziel des Streiks: „Das Land mit einem feministischen Streik lahmlegen“. Die Proteste begannen schon mitternachts, die Streikenden blockierten den Verkehr der Straßenbahnen.

Wenig später füllten protestierende Frauen die Innenstädte aller größeren Orte in der Schweiz. Allein in Zürich beteiligten sich laut Veranstalterinnen 160.000 Frauen an der Demonstration, in Bern 40.000. Dabei waren die Protestformen sehr vielfältig: In sogenannten „Freudenfeuern“ verbrannten die Frauen BHs, vielerorts organisierten sie Streikspicknicks und verlängerte Mittagspausen.

Vielseitige Forderungen

Am Streik beteiligten sich Frauen verschiedenster Herkunft und Tätigkeit. Schülerinnen, Studentinnen, Arbeiterinnen demonstrierten für gemeinsame Ziele, mehrere Generationen wurden im Protest vereint. Die älteren Teilnehmerinnen konnten sich dabei noch an den letzten Streik vor fast 30 Jahren erinnern. „Wir wollen nicht mehr so lange warten. Es kann nicht sein, dass schon meine Mutter und meine Großmutter deshalb auf die Straße gegangen sind. Wir wollen die Gleichstellung jetzt.“, so äußert sich Valentina Achermann, die an der Universität in Bern für Gleichberechtigung kämpft.

Rentengerechtigkeit, Kampf gegen sexualisierte Gewalt, bessere Gesundheitsversorgung und mehr Sichtbarkeit für Care-Arbeit waren einige der Forderungen. Wie auch der Frauen*streik in Deutschland am 8. März forderten die Streikenden vielerorts, dass diese Heimarbeit nicht mehr umsonst geleistet wird. Noch immer lastet ein Großteil der Arbeit zuhause ungesehen und unbezahlt auf Frauenschultern. „Schluss mit Gratis!“ war deswegen eine der großen Parolen auf den Demonstrationen.

Damit wehren sich die Schweizerinnen auch gegen den „Gender Pay Gap“. Frauen verdienen im Schnitt fast 20 Prozent weniger. Verglichen mit ihren männlichen Kollegen arbeiten sie also eine ganze Zeit lang – laut Schweizer Gewerkschaften ab 15:24 Uhr – gratis.