Über Twitter-Trends, Trumps Terror-Hysterie und was davon im realen Leben noch übrig bleibt. – Ein Kommentar von Felix Thal

Als vor einer Woche Präsident Trump die „Antifa“ als Terrororganisation klassifizieren wollte, bekam ein Hashtag auf Twitter große Aufmerksamkeit: #IchbinAntifa. Doch hilft solch ein Lippenbekenntnis in den sozialen Medien, und was bedeutet antifaschistische Arbeit heute wirklich?

Nachdem sich Trump mit einer tollen neuen „Idee“ in die Herzen jeder/s „Alt-Right“-AnhängerIn und Bild-LeserIn twitterte, bekannte sich eine Vielzahl von Einzelpersonen mit einem Hashtag (#IchbinAntifa) zu ihrer grundsätzlich löblichen Haltung gegenüber dem Faschismus.

Am 28. Juli 2019 landete dieses Hashtag sogar auf Platz 1 der deutschen Twitter-Trends. Die einen bekannten sich zu ihrer antifaschistischen Einstellung und setzten ein Zeichen gegen rechten Terror und andere spielten das altbekannte „Ja, aber“-Spiel: Die Antifa sei genauso gewalttätig wie die Nazis! Zwischen Rechten und Linken gäbe es keinen Unterschied! Die Antifa schlage jeden zusammen, der nicht ihrer Meinung ist! Die Antifa will meinen deutschen Schäferhund anzünden!

Überraschung: All das ist die Antifa nicht! Um das auch nochmal für den oder die Letzte klar zu stellen: „DIE Antifa“ existiert nicht. Auch gegen die immer wieder aufkommenden Verschwörungstheorien, es gäbe „Demogeld“ und ein Vereinsregister, oder zu jedem Naziaufmarsch würden 52 Busse vom Antifa e.V. bestellt. Antifa ist keine zusammenhängende Organisation, sondern eine Einstellung und ein Betätigungsfeld von Gruppen oder Einzelpersonen, die mitunter politisch völlig unterschiedliche Ansichten vertreten. Grundkonsens ist und bleibt, dass Faschismus keine vertretbare Meinung darstellt und zu bekämpfen ist.

Was ist nun von dem Hashtag zu halten? Auffällig ist, dass sich vor allem Einzelpersonen zu #IchbinAntifa bekannt haben, denen dadurch keine Repression droht. Es ist schön und gut Nazis, doof zu finden, aber Antifaschismus bedeutet so viel mehr.

Antifa bedeutet, mit denen solidarisch zu sein, die nicht in den geistigen Schuhkarton von Nazis passen: Jüdinnen und Juden, Homosexuelle, obdachlose Menschen, Geflüchtete und viele andere mehr. Es bedeutet, in einem kleinen Dorf vermeintlich der/die einzige AntifaschistIn zu sein und trotzdem zu der eigenen Haltung zu stehen. Antifa zu sein bedeutet, aus seiner Kleinstadt trotzdem nicht wegzuziehen, auch wenn wieder die Fensterscheiben von Nazis eingeworfen wurden. Es bedeutet, Zeit zu investieren, um Archive anzulegen, Recherchearbeit zu betreiben und sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Antifa bedeutet, sich der Repression von Staat und Nazis in den Weg zu stellen und die eigene körperliche und seelische Gesundheit auf´s Spiel zu setzen. Es bedeutet, Risiken einzugehen und wegen seiner Überzeugung und seiner Handlungen auch vor Gericht oder im Gefängnis zu landen. Antifa zu sein bedeutet in Zeiten von NSU2.0 und Hannibal-Netzwerken, den antifaschistischen Selbstschutz zu organisieren.

Man kann es an vielen Orten in Deutschland beobachten: Dort, wo antifaschistische Strukturen stark sind, sind die Nazis schwach. Dort wo wirkliche Solidarität gelebt wird, heißt es für Nazis, Probleme zu bekommen. Ein Twitter-Trend ist gut und schön, nachhaltig und wirksam aber leider nicht. Daher lieber mal Danke sagen. Danke an all die Menschen, die sich tagtäglich tatkräftig gegen Nazis und die rechte Propaganda entgegenstellen. In der Schule, der Uni, dem Arbeitsplatz oder auf der Straße. Danke an die Recherche-Netzwerke, die genau dann hinschauen, wenn die Gesellschaft wieder weg sieht. In diesem Sinne: #dankeAntifa