Starke Dürren und von Menschen gelegte Brände verursachen eine der größten Umweltkatastrophen des Planeten. Präsident Bolsonaro macht Nichtregierungsorganisationen dafür verantwortlich.

Nachdem sich die Brände im Norden Brasiliens stark ausgeweitet haben, verdunkelte sich tagsüber der Himmel im über 2.000 Kilometer entfernten São Paulo und schwarzer Regen fiel zu Boden.

Für Präsident Jair Bolsonaro waren die Verantwortlichen schnell ausgemacht: Nichtregierungsorganisationen sollen die Brände forciert haben, da er ihnen jede finanzielle Unterstützung untersagt hatte. Beweise für diese Anschuldigungen legte er hingegen nicht vor.

Über 70.000 Brände

Zwischen Januar und August diesen Jahres wurden offiziell 72.843 Waldbrände im Amazonasgebiet gezählt. Im gesamten Jahr 2018 waren es hingegen „nur“ 39.759. Dies entspricht bereits jetzt einer Zunahme von mehr als 83%. Grund für die Zunahme seien vor allem Siedler, Viehzüchter, Holzfäller und Goldschürfer, die immer weiter in geschützte Gebiete vordringen und unter anderem Brandrodungen betreiben. Betroffen hiervon sind auch ausgewiesene Naturschutzgebiete und Reservate der indigenen Bevölkerung.

Da die brasilianische Umweltbehörde (IBAMA) und die Behörde für die Indigenen (FUNAI) von Bolsonaro entmachtet wurden, konnten sie ihren Aufgaben, v.a. dem Schutz der in Brand geratenen Gebiete, nicht nachkommen. Die Polizei habe auf deren Anzeigen in der Vergangenheit auch nicht mehr reagiert. Wie Perspektive-Online bereits berichtete, entließ Bolsonaro den Direktor des Weltraumforschungsinstituts, der auf die massive Zerstörung des Regenwalds hinwies.

Vernichtung des brasilianischen Regenwaldes schreitet weiter voran

„Tag des Feuers“

Großgrundbesitzer und Farmer steckten in einer koordinierten Aktion ganze Waldflächen in Brand. Der „Tag des Feuers“ fand an der Straße BR-163 im Bundesstaat Pará statt, die Brandstifter seien durch Bolsonaros Agitation dazu ermutigt worden. Nun hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen, warum der „Tag des Feuers“ nicht verhindert wurde. Bolsonaro verbittet sich hingegen jede Kritik, vor allem wenn sie aus dem Ausland erfolgt.

Frankreichs Präsident Macron, der die Waldbrände als eine „internationale Krise“ bezeichnete, kritisiere diese nur, um daraus politisches Kapital zu schlagen, so Bolsonaro. Brasilien verfüge laut Aussagen des Präsidenten zudem nicht über die finanziellen Mittel, um die Brände allein zu löschen. Auf dem südamerikanischen Kontinent brennt es neben Brasilien auch in Bolivien, Paraguay und in den Grenzregionen zu Argentinien.

Der September ist in Brasilien erfahrungsgemäß der trockenste Monat des Jahres, daher wird kein Regen erwartet und die Brände könnten sich noch ausweiten.