Hausbesuche der Polizei bei unter 25-jährigen Fans nehmen zu und sollen einschüchtern. Sogenannte „Gefährderansprachen“ finden laut einer Pressemitteilung der „Fanhilfe Hertha BSC“ immer öfter statt.

„Wir wissen von 25 bis 30 dieser LKA-Besuche bei jungen Fußballfans und ihren Eltern.“, sagt Fritz Müller der Hertha Fanhilfe in einem aktuellen Artikel in der Zeitung Junge Welt. Die Fanhilfe Hertha BSC ist eine Solidaritätsgemeinschaft und ein Rechtsschutzfonds, der über Rechte der Fans aufklärt und bei Gerichtsverfahren finanzielle Mittel zur Verfügung stellt.

„Erneut nehmen es die Beamten des LKA mit Grundrechten von Fußballfans nicht so genau.“ Fußballfans, die meist unter 25 sind und noch bei ihren Eltern wohnen, werden zu Hause besucht, und vor ihren Familien wird ein Drohszenario aufgebaut. Dabei werden den Familien der Betroffenen angeblich bevorstehende Straftaten erklärt. Eine solche Gefährderansprache ist laut Gesetz eine Methode, eine Gefahrensituation für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwehren.

„Diese Form der Gefährderansprachen hat einzig den Zweck, indirekt über die Eltern Druck auf den Fußballfan auszuüben“, erklärt René Fau, ein Anwalt der Fanhilfe. Und die Anwältin Gloria Holborn kritisiert: „Die Eltern von Volljährigen über Ermittlungsverfahren zu informieren, stellt einen nicht unerheblichen Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung junger Menschen dar.“

Bei den Gefährderansprachen versuchen meist mehrere Beamte, Familienangehörige und Fans einzuschüchtern und in deren Wohnung zu gelangen. In die Wohnungen darf die Polizei zwar, aber nur mit einem Durchsuchungsbefehl oder wenn Gefahr im Verzug wäre. Viele der Fans haben durch Aufklärungsarbeit von ihren Rechten erfahren und lassen die Polizei nicht mehr rein und erzählen der Polizei auch nichts. Müller freut sich darüber: „Da hat unsere Präventionsarbeit Früchte getragen.“

Die Fanhilfe Hertha BSC bewertet die Gefährderansprachen als reine Farce, „die auch an Hilflosigkeit nicht mehr zu überbieten ist“. Der Fanhilfe zufolge gibt es keinen ersichtlichen Grund für die sich nun häufenden polizeilichen Hausbesuche. Ziel dürfte schlicht die Einschüchterung von jungen Fußballfans vor der neuen Saison sein.