Seit über einer Woche kommt es in Haiti zu heftigen Massenprotesten wegen Treibstoffmangels und Preiserhöhungen. Mindestens vier Protestierende und ein Polizist kamen bisher ums Leben. Als Demonstrierende gestern versuchten das Parlament zu stürmen, zog ein Politiker eine Waffe und schoss um sich. Er verletzte eine Journalistin und zwei Sicherheitsbeamte.

Seit rund 8 Tagen demonstrieren zehntausende Haitianer aufgrund von hohen Preisen und zu knappem Angebot an Treibstoff. Den Startschuss gab ein Generalstreik, zu dem Gewerkschaften und soziale Bewegungen aufgerufen hatten.

Der Streik hat laut dem Online-Portal amerika21 weite Teile des öffentlichen Lebens in der Hauptstadt Port-au-Prince lahm gelegt. Des Weiteren wurden mehrere zentrale Verkehrsstraßen rund um die Hauptstadt und der Zugang zum Flughafen mit brennenden Barrikaden blockiert.

Im ganzen Land kommt es zu teils heftigen Auseinandersetzungen. So wurden am vergangenen Mittwoch Schießereien, Steinwürfe, brennende Barrikaden und Demonstrationen aus verschiedenen Teilen des Großraums Port-au-Prince sowie aus Arcahaie (Westen), Jacmel (Südosten) und Port-de-Paix (Nordwesten) gemeldet.

Seit Beginn der Proteste sollen mindestens vier Demonstranten getötet worden sein. Auch ein Polizist kam ums Leben.

Versuch das Parlament zu erstürmen

Am Montag sollten der im Juli zum Regierungschef ernannte Fritz William Michel und sein Kabinett im Amt bestätigt werden. Um diese Abstimmung zu verhindern, versuchten Demonstrierende das Parlament zu stürmen. Dabei zog Jean Marie Ralph Fethiere, ein Senator aus Nordhaiti, eine Waffe und eröffnete das Feuer vor dem Parlament. Dabei verwundete er die AP-Fotografin Chery Dieu-Nalio sowie Sicherheitsbeamte. Fethiere erklärte dazu: „Legitime Selbstverteidigung ist ein heiliges Recht.“. Es ist noch nicht bekannt, ob er strafrechtlich verfolgt werden wird.

Auf Haiti wohnen elf Millionen Menschen, der Inselstaat gehört zu einem der ärmsten Länder der Welt.


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