Seit Tagen halten die Proteste der chilenischen Bevölkerung gegen die Regierung in vielen Städten an. Auslöser war die angekündigte Erhöhung der U-Bahn Fahrpreise. Die Regierung antwortete mit Ausnahmezustand, Ausgangssperre und dem Einsatz des Militärs. Schon über ein Dutzend DemonstrantInnen wurden erschossen und tausende verhaftet.

Nach Ecuador hat sich auch in Chile eine breite soziale Bewegung gegen die Sparpolitik der Regierung, Korruption und ungleiche Verteilung des Reichtums entwickelt. Der Auslöser waren Proteste der SchülerInnen und StudentInnen gegen die Erhöhung der U-Bahnpreise in der Hauptstadt Santiago. Die Ursachen für diesen Protest, der sich innerhalb weniger Tage zu einem Volksaufstand entwickelte, liegen aber deutlich tiefer.

In Chile konzentrieren sich rund 66,5 Prozent des gesamten Nettoeinkommens Chiles bei den obersten 10 Prozent der Bevölkerung. Die ärmsten 50 Prozent müssen gerade einmal mit 2,1 Prozent auskommen. In den vergangenen acht Jahren sind die Wohnungspreise um fast 68 Prozent gestiegen. Gleichzeitig bekommt ein überwiegender Teil der RentnerInnen nicht einmal den Mindestlohn von ca. 375 Euro im Monat als Rente ausgezahlt. So beschreibt Michael Roth einige Beispiele über die ökonomische Situation in Chile, welche die Menschen nun auf die Straße treiben.

Der chilenische Präsident Sebastián Piñera verkündete am vergangenen Samstag zwar die Rücknahme der Preiserhöhungen, konnte damit aber keinesfalls die Proteste zum Schweigen bringen. Die Preiserhöhung dürfte der Tropfen sein, der das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hat.

Noch am selben Tag verhängte er den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre. Seitdem wütet das Militär auf den Straßen Chiles. Mindestens 15 DemonstrantInnen sollen bisher erschossen oder tot geprügelt worden sein. Andere Quellen sprechen bereits jetzt von deutlich mehr toten DemonstrantInnen, sowie von hunderten Verschwundenen. Zudem wurden tausende DemonstrantInnen festgenommen, und im Internet häufen sich Berichte von Vergewaltigungen durch Soldaten. Immer öfter taucht der Vergleich der aktuellen Repressionen mit den Zeiten der faschistischen Militärdiktatur in Chile auf.

Auch verschiedene „Mapuche“-Organisationen haben sich den Protesten angeschlossen. „Wir solidarisieren uns mit den Studenten, Arbeitern, Familien und sozialen Organisationen, die spontan beschlossen haben, ihre Empörung auf dem gesamten Staatsgebiet zum Ausdruck zu bringen (….) Wir rufen zum Aufbau einer neuen Gesellschaft auf“, heißt es in einer Erklärung der indigenen Vereinigungen.