Die US-Regierung hat erklärt, amerikanische Truppen von der türkischen Grenze zu Syrien und damit zu dem kurdischen Gebiet Rojava abzuziehen. So machen sie den türkischen Truppen Platz, in Nord-Syrien einzumarschieren. Die türkische Armee will dort gegen die YPG vorgehen. Diese gelten als Hauptkraft im Sieg über den fundamentalistischen „Islamischen Staat“. Es könnte eine Gelegenheit für den IS sein, sich zu reorganisieren.

„Ein großer Krieg steht unmittelbar bevor“ – so kommentiert der Kurdistan-Experte Kerem Schamberger die Ankündigung der US-Regierung, ihre Truppen vom syrischen Grenzgebiet abzuziehen. Dem war ein Telefonat zwischen dem amerikanischen Präsidenten Trump und dem türkischen Staatschef Erdoğan vorausgegangen.

Laut der kurdischen Nachrichtenagentur ANF habe die Internationale Koalition mit dem Rückzug ihrer Kräfte von den Stellungen an der Grenzlinie bei den Städten Serêkaniyê und Girê Spî in der Region Euphrat in Nordsyrien bereits begonnen.

Erdoğan: Vorbereitungen sind getroffen

Gestern hatte Erdoğan erklärt, die Türkei stehe unmittelbar vor einem Militäreinsatz in Syrien „sowohl aus der Luft als auch mit Bodentruppen“. Schon mehrere Male hatte Erdoğan Derartiges angekündigt, nun seien aber tatsächlich „alle Vorbereitungen getroffen“.

Laut dem türkischen Staatschef gibt es bereits einen Namen für den völkerrechtswidrigen Krieg: Barış Pınarları (auf deutsch in etwa: Friedensquellen).

Ziel: Rojava

Der Angriff zielt auf nord- und ostsyrische Gebiete nahe der türkischen Grenze ab, iwo die kurdische Befreiungsbewegung in Allianz mit anderen lokalen Gruppen das autonome Gebiet „Rojava“ geschaffen hat.

Rojava gilt als eines der fortgeschrittensten demokratischen Projekte in Westasien, dort sind verschiedene Volksgruppen systematisch an der Regierung beteiligt. Auch gibt es in allen gesellschaftlichen Organisationen je einen Mann und eine Frau an der Spitze.

Anfang 2018 hatte war die Türkei bereits in den dazugehörigen Kanton Afrin im Nordwesten Syriens eingefallen. Nun sollen noch weitere Teile Nordsyriens besetzt werden und nicht-kurdische Familien dort angesiedelt werden

USA übergibt IS-Kämpfer der Türkei

In der Presseerklärung zum Truppen-Abzug wiesen die USA darauf hin, dass die Türkei nun „für die gefangenen ISIS-Kämpfer verantwortlich“ sei.

Dabei ist bereits mehrfach belegt, dass die Türkei schon mehrfach mit djihadistischen Kämpfern systematisch kooperiert hat. Die Gefahr ist real, dass viele der IS-Kämpfer, die nun in die Obhut der Türkei übergehen, freigelassen werden könnten.

Region wird zum „Feuerkessel“

Die kurdische Autonomieverwaltung warnt deshalb, dass ein türkischer Einmarsch die Region in einen „Feuerkessel“ verwandeln werde: „Ein Angriff würde zu unkontrollierbaren Ergebnissen führen. Der IS würde sich reorganisieren und erneut breitangelegte brutale Angriffe starten, die nicht auf die Grenzen eines Landes beschränkt bleiben“, hieß es in einer Erklärung.

Xerib Hiso, Co-Vositzender der Autonomieverwaltung, erklärte, die beste Antwort auf die bevorstehenden Angriffe sei es, „für alle Menschen eine Stimme gegen diese Bedrohung und im Widerstand zu sein.“ Die kurdische Bevölkerung stehe bereit, um sich selbst zu verteidigen. „Es ist Zeit den Faschismus zu stoppen“, so Hiso.