Seit April 2019 verfügt Ghana über eines der modernsten Roboter-Systeme der Welt. Als erstes Land der Welt liefert es Impfstoffe, Blut und Arzneimittel in entlegene Regionen des Landes – per Drohne.

In dem westafrikanischen Land Ghana sind bisher vier Drohnen-Startplätze verteilt; drei im Süden und einer im Norden des Landes. Die Drohnen, die eher an ein kleines Segelflugzeug erinnern als an einen konventionellen Quadrocopter, werden per Katapult gestartet.

Auf der Lieferliste stehen 148 Produkte, von Blutkonserven über Medikamente bis hin zu Impfstoffen wird vieles zugestellt. Jedes Zentrum ist mit bis zu einhundert Drohnen ausgestattet, und rund 2.400 Lieferungen werden pro Tag durchgeführt. Zum jetzigen Zeitpunkt werden von den vier Startplätzen aus rund 2.000 Kliniken und Gesundheitszentren angeflogen, die insgesamt zwölf Millionen Menschen medizinisch versorgen.

Lieferung erfolgt nach 30 Minuten

Wird in einem Krankenhaus z.B. eine Blutkonserve einer bestimmten Blutgruppe benötigt, so erfolgt die Bestellung per Tablet: mit WhatsApp wird eine Nachricht verschickt, und in einem der Startzentren wird eine Drohne mit der bestellten Ware bestückt.

Die Drohnen können eine Fracht von bis zu 1,8 Kilogramm bei sich tragen und fliegen mit einer Spitzengeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern. Mit einer Reichweite von 160 Kilometern weicht die Drohne selbstständig schlechtem Wetter aus und umfliegt Flughäfen.

Fünf Minuten vor der Landung gibt die Drohne eine Nachricht ab, nach der die Landezone frei geräumt werden muss. Am Zielort angekommen, wird die Fracht per Fallschirm abgeworfen und vom Gesundheitspersonal eingesammelt.

Verschwendung von Blutkonserven um 95 Prozent zurückgegangen

In Ghana liegt die Frauensterblichkeitsrate bei 350 Frauen pro 100.000 Geburten. Zu einem Großteil liegt dies an geburtsbedingten Blutungen. Das neue Drohnensystem, das von dem Startup „Zipline“ entwickelt wurde, hat hierbei durch schnelle Lieferungen zur Besserung beigetragen.

Zipline wird finanziell unter anderem von der UPS-Stiftung und der globalen Impf-Allianz GAVI unterstützt. Das auf vier Jahre angelegte Projekt ist das bisher größte drohnenbasierte Liefersystem. Laut Zipline bestand neben der Programmierung die größte technische Schwierigkeit darin, das System in das bestehende nationale Gesundheitssystem zu integrieren und mit der Flugaufsicht zu koordinieren.

Zwei weitere Startzentren wären nötig

Um das gesamte Land zu 95 Prozent medizinisch abzudecken, müssten zwei weitere Zentren im Norden von Ghana errichtet werden. Durch die neue Art der Lieferung seien konventionelle Infrastrukturen übersprungen und reichere Länder überholt worden. Zusätzlich sind bisher Verhandlungen mit Kenia, Uganda und dem Senegal aufgenommen worden, um das System weiter zu verbreiten.