Julie Berman war Jahrzehnte lang eine der Aktivistinnen, die sich in Kanada gegen transphobe Gewalt und für die LGBT-Gemeinschaft stark machen. Nun wurde sie selbst Opfer eines transfeindlichen Mordes. Weltweit erinnern Menschen an ihre Botschaft.

Julie Berman (51) war eine starke Stimme im Kampf gegen transfeindliche Gewalt. „Sie hat über Transphobie gesprochen und hat immer Aufklärung betrieben, damit es eine bessere Akzeptanz für die LGBT-Gemeinschaft gibt“, erklärt eine Freundin und Mitstreiterin. Die kanadische Aktivistin starb wegen eines Schädeltraumas, das mit einer Waffe verursacht wurde. Ihr Umfeld erzählt, dass sie schon vorher Gewalt überlebte und gedenken ihrer Stärke, davon zu erzählen, um auch andere stark zu machen.

„Wir gedenken ihrer mit Respekt und Würde, die sie zu Lebzeiten nicht bekommen hat wegen Transphobie, und die sie auch in ihren letzten Momenten nicht bekam, als sie angegriffen wurde.“, erzählt Susan Gapka, eine der Mitstreiterinnen des „The 519“. In diesem LGBT-Zentrum in Toronto engagierte sich Julie Berman gegen LGBT-Feindlichkeit.

Am Tatort nahmen Polizeibeamte den 29-jährigen Colin Harnach fest. Julie Berman hatte zuvor Zeit mit dem Täter in seiner Wohnung verbracht. Harnach war bereits wegen des Mordverdachts vor Gericht, hat aber bisher dort noch keine Aussage gemacht. Der nächste Gerichtstermin ist für den 15. Januar angesetzt.

Hasskriminalität gegen trans Personen nimmt zu

Vor gut einem Monat war der weltweite Transgender Day of Rememberance. Jedes Jahr steigt die Zahl der Menschen, derer AktivistInnen an diesem Tag gedenken. 2017 starben mindestens 325 Menschen in einem Tötungsdelikt nur wegen ihrer geschlechtlichen Identität.

Das liegt auch daran, dass in vielen Ländern die Rechtssprechung selbst transfeindliche Urteile spricht. In Istanbul wurde die trans Frau Seda Ü. von einem Mann ermordet. Solidarische AktivistInnen sorgten dafür, dass der folgende Gerichtsprozess für einen Aufschrei sorgte. Obwohl der Täter den Mord gestand, sahen die Richter strafmildernde Umstände, weil er erklärte: „Ich dachte es sei eine Frau, und habe die Kontrolle verloren, als ich merkte, dass es ein Mann war.“

Sedas Anwalt erläuterte später: „Unter diesen Bedingungen wäre selbst Straflosigkeit vorstellbar, würden die Täter nicht gestehen.“

In Europa sind ein Drittel der ermordeten trans Menschen MigrantInnen, zwei Drittel sind SexarbeiterInnen. Leon Witzel von der Bundesvereinigung Trans* meint, dass die Morde oft besonders brutal seien, weil Mörder sich sicher sein könnten, ein mildes Urteil zu bekommen.


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