„Das Zerstörerischste, was in Australien seit der Kolonialisierung geschehen ist“ – Die australische Bevölkerung muss wegen verheerender Buschfeuer weiträumig evakuiert werden und in Richtung Meer fliehen. Derweil sind Feuerwehrkräfte am Limit ihrer Kräfte und haben für den Premierminister bloß Verachtung übrig. Zeitgleich eröffnet die größte Kohlemine Australiens, mit der KapitalistInnen noch reicher werden. – Ein Kommentar von Olga Wolf

Das Ausmaß der Feuer an der gesamten Ostküste Australiens ist unbeschreiblich. Rund 100.000 Menschen mussten aus ihren Häusern fliehen. An einer Stelle ist das Buschfeuer bis 16 Kilometer vor das Stadtzentrum von Melbourne vorgedrungen und noch immer nicht unter Kontrolle.

AktivistInnen sprechen von dem „Zerstörerischsten, was in Australien seit der Kolonialisierung geschehen ist“. Schon jetzt setzten die Brände 250.000 Tonnen C0² frei, das entspricht der Hälfte der jährlichen Emissionen Australiens.

Die UmweltaktivistInnen in Australien sprechen nicht bloß von der Klimakrise, sie reden vom Klimakrieg. Damit machen sie deutlich: Die Klimakrise passiert nicht einfach so, und es haben sie auch nicht alle gemeinsam verschuldet.

Es gibt Menschen, die an der Klimakrise noch verdienen und reicher werden. Der Klimakrieg ist ein Krieg zwischen Klassen. Während Feuerwehrkräfte ihr Leben in Gefahr bringen und AustralierInnen ihr Hab und Gut im Feuer verlieren, sitzen einige in Sicherheit und freuen sich, dass die Arbeiten in der größten Kohlemine Australiens nun beginnen.

Eröffnung der „Adani’s Carmichael“- Kohlemine

Während buchstäblich das Land in Flammen steht und schon jetzt an den Symptomen der Klimakrise verbrennt, eröffnet die größte australische Kohlemine überhaupt: In der Nähe von Queensland wird künftig die indische „Adani Group“ Kohle in der Adani’s Carmichael Mine fördern.

Für diese Kohlemine ist die indigene Bevölkerung – alternativlos – gezwungen, ihr Land zu verlassen. Während australische UmweltschützerInnen alles tun, das Great Barrier Reef vor dem Aussterben zu schützen, werden in den nächsten Jahrzehnten Kohletransportschiffe das geschützte Meeresgebiet durchqueren. Grundwasser ist kostbar und knapp in Queensland – die Adani Group soll kostenlosen Zugang bekommen und wird um die 270 Milliarden Liter Grundwasser verbrauchen.

Der Abbau und die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung gelten als die Hauptursache des Klimawandels. Die neu eröffnete Kohlemine schafft Zugang zu einer der weltweit größten, noch unberührten Kohlereserve.

Gegen die Profitmache mit Kohle und die katastrophalen Folgen gab es breiten Protest, wie etwa von der „STOP ADANI“-Bewegung. Trotz der Ausdauer der AktivistInnen und dem Widerstand der Indigenen drückten die Kohle-Kapitalisten ihre Interessen in Australien durch. Mehr noch, die Adani Group setzte sich über unzählige Auflagen hinweg und – der australische Staat unternahm nichts und küsste dem Kapital die Füße.

Lippenbekenntnisse der australischen Regierung

Der australische Premierminister wollte bei einem Fernsehauftritt den Feuerwehrkräften öffentlichkeitswirksam danken. Er hatte bei den Feuern selbst sein Zuhause verloren, die Aufnahmen kamen aus New South Wales. Dort hatten am Montag ein Vater und sein Sohn ihr Leben im Feuer verloren. Doch der Feuerwehrmann zuckt nicht einmal die Schultern, als der Premierminister ihm vor laufender Kamera die Hand geben will.

Eine weitere Aufnahme des selben Tages zeigt eine Frau, die sich ebenfalls weigert, Scott Morrison die Hand zu geben. „Nur, wenn es bessere Finanzierung für die ländlichen Feuerwehren gibt!“, gab sie zur Antwort.

Den beiden geht es wohl so wie vielen AustralierInnen und KlimaaktivistInnen weltweit: Die Regierung hat den Unternehmern den Weg bereitet, mit den Ressourcen des Landes zu machen, was profitabel ist, ohne Rücksicht auf Verluste. Sie leiden schon seit Jahren unter Trockenheit und Bränden. Zögerlich erkannte Premierminister Morrison an, dass die Buschfeuer mit dem Klimawandel zu tun haben könnten. Doch Rückschlüsse, was den Kohleabbau angeht, zieht seine australische Regierung nicht.

Alle Beileidsbekundungen und Urkunden für Rettungskräfte sind scheinheilig. Der Premierminister ebnete Adani den Weg, die Natur noch härter auszubeuten. Ihm den Handschlag zu verweigern, ist ein starkes Zeichen und ein guter Anfang.