Stets die Augen geradeaus, 80 km/h, Stau – unzählige Lastkraftwagen sind tagtäglich auf deutschen Straßen unterwegs. Für die PKW-FahrerInnen sind sie häufig eine Plage, doch liefern sie unser tägliches Brot und Kleidung in die Supermärkte und Einkaufszentren. In Deutschland müssen die Logistikunternehmen ständig um neue FahrerInnen kämpfen. Woher kommt das? – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

„Oahr nee, jetzt überholt da vorne schon wieder ein LKW den anderen“ – diesen Spruch wird wohl Jede/r von uns schon einmal gehört haben. Der Ruf der LKW-FahrerInnen, besonders in Deutschland, ist kein guter. In Frankreich werden die TruckfahrerInnen beispielsweise „Chauffeur“ genannt, während der hiesige Sprachgebrauch eher stark nach Beleidigungen gegenüber dem Berufsstand klingt. Doch wer sich den Berufsalltag genauer anguckt, wird schnell mitbekommen, dass das ein knochenharter Job ist: Staatlich geregelte Ruhezeiten und im Winter auf Parkplätzen übernachten klingt nicht gerade nach einer Luxusreise. Hinzu kommt, dass LKW-FahrerInnen sich durch den engsten Berufsverkehr kämpfen und dabei immer pünktlich sein müssen.

Die Branche erlebt derzeit einen regelrechten Wandel. Nachdem die Wehrpflicht abgeschafft wurde, erwerben viel weniger Männer den LKW-Führerschein. Ebenso war es damals für die gesamte DDR-Bevölkerung gang und gäbe, dass beim Erhalt der Fahrerlaubnis ebenfalls ein LKW geführt werden durfte. Vor allem für junge Leute ist es ein finanzielles Abenteuer, in die Branche einzusteigen. So müssen heutzutage über 2.500€ investiert werden, um einen LKW-Führerschein zu erhalten – und das meist aus privater Tasche. Auch sogenannte „Landesaufbaubanken“ helfen hier nicht viel. beispielsweise stimmt die Sächsische Aufbaubank einer Finanzierung des Führerscheins nur zu, wenn in der Stellenausschreibung explizit kein LKW-Führerschein verlangt wurde – sonst bestünde ja die theoretische Möglichkeit, dass die Unternehmen diesen zahlen. Das wiederum dürfte in der Logistikbranche relativ schwierig sein.

Die ArbeitgeberInnen haben in den letzten Jahren sogar die Löhne erhöht, um neue MitarbeiterInnen zu gewinnen. Ebenso wird ein hoher Wert auf den Komfort und Sicherheit für die FahrerIn gelegt. Doch – wie anfangs schon beschrieben – ist das Image des Berufsstands in Deutschland so schlecht, dass häufig auf osteuropäische FahrerInnen zurückgegriffen wird – die am Wochenende natürlich wieder in die Heimat wollen. Das schafft unglaubliche Probleme bei der Planung der Warenbeförderung.

Ein weiteres Problem ergibt sich noch an anderer Stelle: Viele Firmen im Baugewerbe benötigen sogenannte „schwere Maschinen“. Diese dürfen nur mit einem LKW-Führerschein gefahren werden – egal wie groß, klein, langsam oder schnell sie sind. Auch hier müssen also QuereinsteigerInnen, Azubis oder Fachkräfte nochmal einen Führerschein machen, den – nur bei Glück – die ArbeitgeberInnen bezahlen. Guckt man sich dann noch andere Statistiken an, die besagen, dass viele junge Leute in Deutschland sich lieber einen „leichten“ statt „schweren“ Beruf auswählen, bekommt dieses Thema eine eigene Dramatik für den Arbeitsmarkt.

Wir müssen versuchen, unsere branchenfremden KollegInnen zu unterstützen und zu verstehen, um Imageschäden abzubauen und ein solidarisches Miteinander aufzubauen. Denn: die Logistik ist ein wichtiger Teil unseres Alltags!