150 Länder haben die Rekrutierung von Minderjährigen für ihre Armeen gestoppt. Anders Deutschland: Zwischen Januar und November 2019 stellte die Bundeswehr über 1.500 Jugendliche unter 18 ein. Eine Kampagne will das ändern.

In den Monaten Januar bis November 2019 hat die Bundeswehr 1.534 Minderjährige aufgenommen. Davon waren 974 freiwillige Wehrdienstleistende, und 560 ließen sich als Zeitsoldaten einstellen. Diese Zahlen wurden am Dienstag vom Bündnis „Unter 18 nie!“ veröffentlicht. Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Zwar ist die Anzahl der Minderjährigen in der Bundeswehr damit 2019 leicht zurück gegangen, trotzdem waren 669 SoldatInnen so jung, dass sie nach Ablauf ihrer Probezeit bzw. ihres Widerrufsrechts noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet hatten. Seitdem die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, hat die Bundeswehr über 13.000 Minderjährige rekrutiert.

Wer steht hinter „Unter 18 nie!“?

Hinter der Kampagne stehen Friedensinitiativen, kirchliche und gewerkschaftliche Organisationen wie Terre des Hommes, Pax Christi und die GEW. Sie fordern, das Rekrutierungsalter für den Wehrdienst auf 18 Jahre anzuheben, sowie ein Verbot jeglicher Bundeswehr-Werbung bei Minderjährigen. Den Hauptbestandteil der Kampagne bildet eine an Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gerichtete Petition – sie hat bereits mehr als 30.000 Unterschriften.

Jetzt unterschreiben: Petition Unter 18 nie!

Auf ihrer Website schreiben die Bündnispartner, dass sie vor allem die Überzeugung eint, „dass „Soldat_in zu sein“ kein Beruf und die Bundeswehr kein Arbeitgeber „wie jeder andere ist“, denn die Ausbildung zum Soldaten oder zur Soldatin bedeute nun einmal, „das Töten zu lernen“. Im weiteren kritisieren sie, dass man beim Antreten eines Wehrdienstes auf wesentliche Grundrechte verzichten müsse, z.B. das Recht auf körperliche und geistige Selbstbestimmung. Die „Skandalliste“ der Bundeswehr sei lang und reiche von Machtmissbrauch von Vorgesetzten, Mobbing gegen Auszubildende, Erniedrigungen und Vergehen gegen die Menschenwürde bis hin zu sexuellen Übergriffen und faschistischen Tendenzen.

Das Bündnis beruft sich in seiner Forderung auf die UN-Kinderrechtskonvention. Diese verbietet die Rekrutierung von Minderjährigen bereits seit 18 Jahren, die Anhebung des Mindestalters für die Teilnahme an Kampfhandlungen von 15 auf 18 Jahre wurde schon am 12. Februar 2002 umgesetzt.


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