Am Donnerstag und Freitag blieben über 4.000 Schulen in den Niederlanden geschlossen. Der Grund dafür waren Streiks der LehrerInnen. Sie treten ein für eine bessere Bezahlung und mehr Lehrkräfte.

LehrerInnen, DirektorInnen und anderweitig Beschäftigte in den niederländischen Schulen streikten sowohl am gestrigen Donnerstag, als auch am heutigen Freitag. Aufgrund der Streiks blieben über 4.000 Schulen in den Niederlanden geschlossen: darunter 3.978 Grundschulen für einen oder beide Tage des Streiks, das entspricht 59% aller Grundschulen im Land. Von den weiterführenden Schulen wurden 128 bestreikt, das sind etwa 28% der Sekundarschulen in den Niederlanden.

Es ist bereits der 10. LehrerInnenstreik in den Niederlanden seit Juni 2017. Die Aktionsformen steigerten sich allmählich: Erst öffneten die Schulen eine Stunde später, dann gab es eintägige regionale, später nationale Streiks bis hin zu den nun teils zweitägigen nationalen Streiks in den letzten Tagen.

Während der Arbeitsniederlegungen sind die Lehrkräfte und weiteren Arbeiterinnen an den Schulen nicht einfach zu Hause geblieben, sondern organisierten Demonstrationen und Protestmärsche in den unterschiedlichsten Städten der Niederlande, darunter Amsterdam, Rotterdam, Den Haag, Groningen, Maastricht und Middleburg.

Die Streikenden fordern, dass mehr Geld in die Bildung gesteckt wird. Das sei zum einen wichtig, um die Arbeitsbelastung der einzelnen Lehrkräfte zu reduzieren, aber auch, damit eine förderliche Betreuung der SchülerInnen überhaupt möglich sei. Konkret wollen z.B. die Grundschullehrkräfte, dass weitere 560 Millionen investiert werden, damit ihr Gehalt an das ihrer KollegInnen aus den weiterführenden Schulen angeglichen werden kann. Mehr Geld für Bildung würde außerdem eine angemessenere, höhere Bezahlung des unterstützenden, unerlässlichen Personals an den Schulen ermöglichen.

„Im Jahr 2020 haben 55.000 Grundschüler keinen Lehrer vor der Klasse, und wenn wir nichts unternehmen, wird diese Zahl im Jahr 2028 auf fast 240.000 Schüler ansteigen“, beklagt die LehrerInnengewerkschaft AOb vor allem den LehrerInnenmangel gegenüber RTL Nieuws.

Seit es 2017 die ersten Streiks gab, haben sie schon einiges bewirkt. Dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft zufolge wurden in dieser Periode 895 Millionen Euro für Grundschulbildung ausgegeben. 700 Millionen Euro werden strukturell eingesetzt, um die Arbeitsbelastung der Lehr- und Arbeitskräfte zu reduzieren und diese besser zu bezahlen. In diesem und im nächsten Jahr sind die übrigen 195 Millionen Euro einmalig für einen regionalen Ansatz zur Beseitigung des Lehrermangels vorgesehen, also für die Ausbildung anderer Fachkräfte zu LehrerInnen, für die Anleitung neuer LehrerInnen und für die Ausbildung von LehrassistentInnen. Laut GewerkschafterInnen und ExpertInnen reiche diese einmalige Zahlung aber keineswegs aus, um die Probleme zu beheben.

Daher sei es für die Gewerkschaft AOb weiterhin nötig, in Aktion zu treten und zu streiken. „Lehrer streiken nicht zum Spaß“, sagte Gewerkschaftsdirektor Eugenie Stolk zu RTL Nieuws. „Wir sehen auch, dass in Bildung investiert wird, aber gleichzeitig sehen wir, dass dies nicht ausreicht. Es hört sich so an, als wollten wir immer mehr, aber wir wollen nur eine gute Bildung.“