In Chile ist es erneut zu Massendemonstrationen und Zusammenstößen von regierungskritischen DemonstrantInnen und Polizisten gekommen. Über 70 Einsatzkräfte wurden verletzt. Es gab fast 300 Festnahmen.

Am Montag hat in Chile das neue Schuljahr begonnen. Das war auch der Anlass für weitere Massenproteste. Bereits am Montagmorgen waren rund 80 Schlüsselpunkte der chilenischen Hauptstadt Santiago mit Barrikaden blockiert. Im Laufe des Tages wurden zudem Dutzende Schulen und Universitäten besetzt.

In der Nacht zum Dienstag kam es dabei in der Hauptstadt erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und DemonstrantInnen. Die Zusammenstöße waren von Gewalt geprägt, nach amtlichen Angaben wurden dabei dutzende Einsatzkräfte verletzt. Der chilenische Innenminister Gonzalo Blumel spricht von über 70 verletzten PolizistInnen und knapp 280 festgenommenen DemonstrantInnen. Zahlen über verletzte DemonstrationsteilnehmerInnen legte er nicht vor.

Am Montagnachmittag versammelten sich tausend Menschen auf dem Plaza Italia. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP stießen die DemonstrantInnen erst nach Einbruch der Dunkelheit mit der Bereitschaftspolizei zusammen. Diese wurde mit Steinen und Wurfgeschossen angegriffen. In anderen Städten bauten die Protestierenden Barrikaden und setzten diese in Brand. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen sie vor.

Was soll sich ändern?

Seit dem Beginn der Proteste im Oktober sind mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen, es gab tausende Verletzte und über zehntausende Demonstrierende sind zeitweise festgenommen worden.

Bei den Protesten werden größtenteils soziale Forderungen aufgestellt, begonnen haben sie wegen einer Erhöhung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr. Schnell wurden jedoch auch andere soziale Fragen zum Thema. „Das chilenische Volk ist sehr unzufrieden mit dem Wirtschaftssystem in Lateinamerika“, klagt eine Teilnehmerin bei einem vergangenen Protest. „Wir haben weder Zugang zum Gesundheitswesen noch zu Bildung, beides kostet Geld und am Schluss reicht es einfach nicht zum Leben. Und manche müssen mit winzigen Renten leben, die Mindestrente hier in Chile liegt knapp über 100 Dollar. Was soll man damit machen?“

Weitere Proteste geplant

Für den 8. und 9. März sind erneut riesige Proteste in Chile geplant. Für den 8. März wird mit einer besonders großen Beteiligung an den Frauendemonstrationen gerechnet. Am Tag darauf sollen die Proteste dann in einen Generalstreik überführt werden.

Am 26. April soll zudem eine neue Verfassung in Chile verabschiedet werden. Auch im Vorfeld dieses Datums dürfte es zu weiteren Massenprotesten kommen.