Auf die Ergebnisse und Empfehlungen der „Heinsberg-Studie“ setzen WissenschaftlerInnen wie PolitikerInnen. Einen ersten Teil präsentierten die ForscherInnen jetzt in einer Pressekonferenz, der Ton machte zunächst Hoffnung auf baldige Lockerung des Kontaktverbots. Doch VirologInnen zweifeln den Gehalt an, und auch die Verstrickung des Medienkonzerns „Storymachine“ ruft Zweifel hervor.

An der Uniklinik Bonn haben WissenschaftlerInnen eine Studie zum Verlauf der Corona-Infektionen im Kreis Heinsberg durchgeführt, genannt die „Heinsberg-Studie“. Am vergangenen Donnerstag stellte Hendrik Streeck, Professor und Virologe der Uni Bonn, einen ersten Teil der Ergebnisse vor. Auf die Bilanz hatten viele hingefiebert, doch die Reaktionen sind ernüchtert. Sowohl die wissenschaftliche Transparenz und Aussagekraft als auch die Verstrickung mit Medienkonzernen sorgen für Kritik.

„Nicht repräsentativ“

Auf der Pressekonferenz präsentierte Streeck beispielsweise eine Immunitätsrate von 15 Prozent in Gangelt im Kreis Heinsberg. Sein Kollege Professor Michael Hallek von der Uniklinik Köln zweifelt an, dass die Daten überhaupt erlauben, darauf Rückschlüsse zu ziehen. Die Studie sei nicht repräsentativ.

Deutschlands wohl populärster Virologe Christian Drosten hatte Rückfragen und äußerte in einem Pressebriefing des „Science Media Center“ Bedenken. Die Ergebnisse seien so wenig transparent, dass er auf Grundlage der Daten keine Rückschlüsse ziehen wolle. Weiterhin sei man auf genauere Daten angewiesen.

Ein Bedenken konnte Streeck immerhin zerstreuen: Drosten hatte angemerkt, dass nicht klar sei, ob bei der Immunitätsrate auch nur das neuartige Corona-Virus betrachtet worden war. Aber doch, die verwandten Tests könnten durchaus –  mit einer gewissen Fehlertoleranz – den neuen Typ von anderen Viren unterscheiden.

PR-Agentur „Storymachine“ arbeitet „pro bono“?

Streeck präsentierte die Studienergebnisse unter anderem an der Seite von Armin Laschet. Die Social-Media-Arbeit et cetera übernahm die PR-Agentur „Storymachine“. Zu deren Gründern gehört neben Ex-Bild-Chef Kai Diekmann auch Michael Mronz.

Dieser wiederum verdient – wenn nicht gerade Corona-Lockdown ist – viel Geld mit Sport-Events. Seine PR-Agentur soll die wissenschaftliche Studie pro bono (dt: zum Wohle der Allgemeinheit) unterstützt haben, lediglich von technischen Partnern seien 60.000 Euro geflossen. Die Landesregierung habe mit 65.000 Euro die Studie unterstützt, nicht aber die PR.

Bereits einige Medien stellen die naheliegende Frage nach dem Interesse, mit dem ein Organisator von Sport-Events eine solche Pressekonferenz organisiert – zumal Pressekonferenzen eher eine unübliche Methode seien, um wissenschaftliche Ergebnisse zu veröffentlichen.

Mronz und Laschet kennen sich

Armin Laschet nahm als Ministerpräsident des Landes NRW an der Pressekonferenz teil. Er betonte die Wichtigkeit, Beschränkungen wieder abzubauen und erntete dafür in Medien viel Kritik.

Er und Michael Mronz sind sich keine Unbekannten. Sie arbeiten gemeinsam am Projekt „Olympia Rhein Ruhr City 2032“. Auf die inhaltliche Gestaltung der Pressekonferenz habe Storymachine keinen Einfluss genommen, lediglich den Prozess begleitet.


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