Trotz Coronakrise und dem Fakt, dass fast alle anderen Werften Kurzarbeit angemeldet haben, produziert die Kieler Werft „Thyssen Krupp Marine Systems“ (TKMS) im Drei-Schicht-System rund um die Uhr weiter militärische U-Boote. Nun kam es vor der Werft zu einer Protestaktion.

„Wir wollen die Beschäftigten dort unterstützen, damit sie nicht länger ihre Gesundheit riskieren müssen, aber weiter ihren Lebensunterhalt bestreiten können“, so heißt es im Aufruf für die Aktion, die am vergangenen Donnerstag in Kiel-Gaarden stattgefunden hat.

Laut einem Bericht von der Aktion, die auf dem Portal chefduzen.de veröffentlicht wurde, sei den TKMS-ArbeiterInnen gesagt worden, dass ihre Arbeit „freiwillig“ sei, und wer sich vor einer Infizierung mit Corona fürchte, könne zuhause bleiben, müsse dafür aber Urlaub nehmen oder Überstunden abfeiern. Zudem seien die ArbeiterInnen auf die verschiedenen Schichten umverteilt worden, angeblich, um so etwas mehr Distanz bei der Arbeit zu ermöglichen. ArbeiterInnen aus der Werft berichten, dass dies in der Praxis aber kaum funktioniere.

Mit verschiedenen Schildern, Flugblättern und einem Transparent mit der Aufschrift „U-Boote systemrelevant?“ protestierte daher eine kleine Gruppe von AktivistInnen vor dem Eingang der Werft. Wenige Minuten nach dem Beginn der Aktion versuchte der Werksschutz diese zu behindern und verbot unter anderem, Fotos mit der Werft im Hintergrund zu machen.

Parallel zur Protestkundgebung hat TKMS ein neues U-Boot an die ägyptische Marine übergeben. TKMS ist eine der wenigen deutschen Werften, die zur Zeit überhaupt noch Schiffe ausliefern können.

Wir dokumentieren hier den Text des vor Ort verteilten Flugblattes:

Kranke Arbeit!

Die Werft ist der größte Industriebetrieb in Kiel.
Die Arbeit im Schiffsbau und in der -reparatur ist hart und gesundheitsschädlich.
Die Menschen werden auf der Werft unterschiedlich schlecht behandelt. Den Leiharbeitern geht es schlechter als den Festangestellten. Zahllose Fremdfirmen beschäftigen Menschen zu unterschiedlichen Bedingungen.

Man arbeitet nicht auf der Werft, weil es so viel Spaß bringt, sondern weil man mit der Arbeit sein Geld verdient. Das Geld wird aufgefressen von immer höheren Mieten.

Die Aufträge der Werft…
…sind großteils nicht akzeptabel. Sie kommen oft von Diktatoren und/oder es handelt sich um Rüstungsaufträge. Wir wollen die Schraube von Gewalt und Krieg nicht weiterdrehen. Wir wollen etwas bauen, was dem Leben dient und nicht zum Töten und Kriegführen bestimmt ist.

Jetzt haben wir die Coronakrise.
Es wurden diverse Betriebe aus Gründen einer Ansteckungsgefahr geschlossen. Es sollen nur „systemrelevante“ Bereiche weiterbetrieben werden. Seit wann ist U-Boot-Bau systemrelevant?

Unsere Gesundheit ist wichtiger als Profitinteressen!
Unsere Gesundheit steht an erster Stelle, doch wir brauchen auch Geld zum Leben. Wir müssen von der Arbeit freigestellt werden, bis die Ansteckungsgefahr vorüber ist. Kurzarbeitergeld ist möglich, es beträgt oftmals nur 60 Prozent des Nettolohns, bei Beschäftigten mit Kindern 67 Prozent, falls der Betriebsrat nicht etwas Besseres ausgehandelt hat. Das Kurzarbeitergeld muss an alle, die auf der Werft tätig sind, ausgezahlt werden, auch an die Leiharbeiter und die Beschäftigten der Fremdfirmen. Niedriglöhner brauchen mehr, falls die 60% Regelung gilt. Ihr normaler Lohn reicht kaum zum Leben.

Wir brauchen unser Einkommen, sind aber nicht bereit, dafür unsere Gesundheit zu opfern!

Kommt mit auf die Straße am 1.Mai
zum Krisenprotest mit 2m Sicherheitsabstand!


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.