Während ein deutsches Rettungsschiff in internationalem Gewässer 150 Menschen vor dem Ertrinken rettet, spricht sich das deutsche Innenministerium gegen Seenotrettung aus: In Zeiten der Corona-Pandemie sei ein Auslaufen von Schiffen nicht zu verantworten.

Am Montag, 6. April 2020, rettete das deutsche Schiff „Alan Kurdi“ von der Organisation „Sea Eye“ 150 Menschen vor dem Ertrinken. Noch während der Rettungsaktion gab das Innenministerium bekannt, dass die Arbeit der zivilen Seenotrettung einzustellen sei, da während der Corona-Krise eine Betreuung der Menschen nicht garantiert werden könne.

Italien, Malta und weitere Anrainer-Staaten hatten unterdessen schon ihre Häfen für ausländische Schiffe geschlossen. Trotz der Warnungen der Mittelmeerstaaten lief die deutsche „Alan Kurdi“ zur Rettung aus.

Das Schiff der Organisation Sea Eye nannte sich vorher „Professor Albrecht Penck“, wurde aber in „Alan Kurdi“ unbenannt. Alan Kurdi hieß der zweijährige syrische Junge, der 2015 nahe Bodrum im Südwesten der Türkei ertrunken ist. Das Bild seines leblosen Körpers, bekleidet mit einem roten T-Shirt und blauer Hose, ging um die Welt.

Libysche Milizen bedrängten die Rettungsaktion

Während die Alan Kurdi über ein Notfalltelefon auf die Schiffbrüchigen aufmerksam gemacht wurde, traf an der Unglücksstelle bereits ein italienischer Offshore-Versorger ein, der jedoch keine Rettungsmaßnahmen einleitete.

Im Laufe der Rettungsaktion durch das deutsche Schiff kam ein Schnellboot libyscher Milizen hinzu, das Warnschüsse abgegeben haben soll. Als dann eine Vielzahl von Geflüchteten das hochseeuntaugliche Schiff panisch verließen und ins Meer sprangen, konnten sie durch die Seenotretter der Alan Kurdi an Bord genommen werden. Nun kreuzt das Schiff vor der Insel Lampedusa.

Präzedenzfall für die Seenotrettung

Wenn schon Malta und Italien das Verhalten der Alan Kurdi verurteilen, könnte die jetzt zu befürchtende Schließung aller Mittelmeerhäfen die zukünftige Arbeit der zivilen Seenotrettung in höchstem Maße bedrohen. Italien erließ am Dienstag ein Dekret, nach dem alle Häfen während der Corona-Krise für ausländische Schiffe geschlossen bleiben würden.

Zur Zeit gibt es also auf dem Mittelmeer kein weiteres ziviles Schiff, das Schiffbrüchige retten könnte. Der politische Umgang mit der Krise, die die Pandemie verursacht hat, verhindert rigide das Auslaufen weiterer Rettungsmissionen.

Während das deutsche Innenministerium derweil eine Aufnahme von Geflüchteten ausschließt, kamen per Flugzeug die ersten ErntehelferInnen in Deutschland an, um die Spargelfelder einzubringen.


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