Am Abend des 1. Mai versuchte in Hamburg ein Mann seine Ehefrau zu ermorden. Meryem Şahin, politische Aktivistin bei der Frauenorganisation “Yeni Kadin” und zweifache Mutter, liegt momentan im künstlichen Koma im Krankenhaus und kämpft um ihr Leben. Aus diesem Grund fanden am Montag in sechs Städten Aktionen gegen Frauenmorde statt.

Der Täter, der Benzin über die beiden Kinder und die Frau schüttete, sie anzünden wollte und der Frau die Kehle aufschnitt, wurde nur aufgehalten, weil NachbarInnen die Hilferufe der Kinder hörten. Jeden dritten Tag wird eine Frau in Deutschland ermordet und es wird kaum darüber berichtet. In sechs Städten Deutschlands wurden vom Bund Sozialistischer Frauen (SKB) und von ZORA Protest-Aktionen organisiert, damit Frauenmorde ein Ende finden und Gerechtigkeit für Frauen wie Meryem Şahin erlangt wird.

In Hamburg versammelten sich über 200 Menschen vor dem Haus von Meryem Şahin und demonstrierten gegen Gewalt an Frauen. Auch in weiteren Städten wie in Duisburg, Köln, Frankfurt, Mannheim und Stuttgart wurden Kundgebungen abgehalten. Die RednerInnen sprachen zuvorderst über den Anstieg der Zahl der Fälle häuslicher Gewalt in Zeiten der Corona Pandemie.

„Während gesagt wird, dass das Zuhause bleiben Leben schützt, fragt sich niemand, wer uns denn vor der Gewalt in unseren vier Wänden schützen soll“, sagte eine Sprecherin. Sie forderten alle mehr rechtliche Absicherung und verurteilten Entscheidungen der Justiz wie im Fall von Besma Ekinci, einer jungen Frau, die vor wenigen Tagen in Hildesheim ermordet wurde und deren Mörder jetzt wieder auf freiem Fuß ist.

Bei der Kundgebung in Frankfurt sprach die Landtagsabgeordnete der Partei die Linke, Saadet Sönmez, und verurteilte die Tat in Hamburg. Die SprecherInnen verurteilen außerdem die Formulierung der Schlagzeilen in der lokalen Hamburger Zeitung, die über die Tat als “Familiendrama” schreibt und Fälle wie diese relativiert.

Während der Kundgebung in Köln kam es zu mehreren rassistischen Angriffen von PassantInnen auf die Demonstrantinnen. Während über die diskriminierende Hetze berichtet wurde, die in Fällen von sexualisierter Gewalt zu beklagen sei, näherten sich mehrere Menschen den RednerInnen und überzogen sie mit rassistischen Beleidigungen. Eine Person versuchte, mit einem Feuerzeug die Fahnen, Plakate und Jacken der DemonstrantInnen anzuzünden und rief währenddessen, dass sie keine Deutschen seien und deshalb auch nicht hier sein dürften.

Die DemonstrantInnen erwiderten, dass sie bereits schon einmal in Solingen angezündet wurden und nicht zuließen, dass so etwas noch einmal geschehe. Die Polizei, die trotz angemeldeter Kundgebung nicht vor Ort war und erst nach den Anrufen anderer PassantInnen verspätet eintraf, antwortete auf die Frage, warum sie nicht dagewesen seien, mit “ist halt Corona, trifft uns grad alle”. Die TeilnehmerInnen setzten trotzdem ihre Kundgebung fort, wobei sie auch die Fälle rassistischer Gewalt und rechten Terrors wie in Hanau, Halle, Kassel oder Celle verurteilten und zur internationalen Solidarität aufriefen.


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