Auf Schlachthöfen, in der Landwirtschaft und auf dem Bau ebenso wie in immer weiteren Wirtschaftszweigen bestimmen Werkverträge und Leiharbeit die Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen. Dabei fördern sie die Entstehung mafiöser Strukturen und verschärfen die Ausbeutung der ArbeiterInnen massiv. – Ein Kommentar von Kevin Hoffmann

Gutes Geld für gute Arbeit? Ha! Darüber können auch in Deutschland Millionen ArbeiterInnen nur traurig lachen. In den vergangenen Tagen und Wochen sind immer wieder schockierende Berichte über die Arbeits- und Lebensbedingungen von ArbeiterInnen in deutschen Schlachthöfen und als ErntehelferInnen auf den Bauernhöfen in Deutschland publik geworden.

Was in den Medien meist als traurige Einzelfälle eines besonders gierigen Kapitalisten oder Subunternehmers dargestellt wird, hat viel eher System. Die Leidtragenden sind dabei meist osteuropäische SaisonarbeiterInnen. Sie sind „systemrelevant“ für dieses System der maximalen Ausbeutung. Doch nicht nur zu Corona-Zeiten sind die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser ArbeiterInnen unmenschlich.

Durch juristische Konstrukte von Werkverträgen, Leiharbeitsverträgen sowie Sub-, Sub-Sub- und Sub-Sub-Subunternehmen werden die Löhne und Arbeitsbedingungen in immer mehr Bereichen der Industrie und Wirtschaft gesenkt, verschlechtert, ausgehöhlt.

Für die ArbeiterInnen entstehen undurchschaubare Netze von Unverantwortlichkeiten, die es ihnen immer schwerer machen, ihre Rechte einzufordern. Gleichzeitig begünstigt diese Situation die Entstehung quasi-mafiöser Strukturen, in denen die ArbeiterInnen dem „guten Willen“ ihrer ChefInnen komplett ausgeliefert sind.

FeldarbeiterInnen in Bornheim streiken für bessere Löhne

Zu welchen Situationen diese Ersetzung der erkämpften ArbeiterInnenrechte durch windige juristische Konstruktionen führt, haben in den vergangenen Tagen die Proteste beim Bornheimer Erdbeer- und Spargelbauern Ritter gezeigt.

Von den DGB-Gewerkschaften sind diese Bereiche des Niedriglohnsektors, in denen Werkverträge, Leiharbeit und Subunternehmerschaft am häufigsten vorkommen, meist gar nicht oder kaum erschlossen.

Hier liegt es an den ArbeiterInnen, sich selbst zu organisieren und sich ihre Rechte zu erkämpfen. Nur so können dann auch Initiativen zu Verboten von Werkverträgen, Leiharbeit und Subunternehmen, gegen die Aushöhlung von ArbeiterInnenrechten und Senkung der Löhne, erfolgreich sein. Nur so können wir ArbeiterInnen unsere potentielle Macht als überwiegende Mehrheit der Gesellschaft auch in reale Gegenmacht gegen die Unternehmen umwandeln.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.