Laut einer Studie des Umweltschutzorganisation WWF nahm die Baumkronenbedeckung in Tropenwäldern massiv ab. Der Verlust von Waldbestand ist auch direkte Folge der Corona-Pandemie.

Die größte internationale Natur- und Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) untersuchte die Satellitendaten der University of Maryland im Zeitraum von 2017-2019 und verglich diese mit aktuellen Aufnahmen. Analysiert wurden 18 tropische Länder in Afrika, Südamerika und Asien.

Demnach wurde im Monat März 2020 eine Fläche von 645.000 Hektar Tropenwald vernichtet, ein neuer Rekordwert. Besonders betroffen waren die Länder Indonesien, Brasilien und der Kongo.

Unter Waldzerstörung werden hierbei die Abholzung, der Landnutzungswandel (z.B. Landwirtschaft), Bau von Infrastruktur, Waldbrände und Brennholznutzung zusammengefasst. 80 Prozent des Waldverlustes geht allein auf die Landwirtschaft (Palmöl, Soja, Rinder) und Holz- und Zellstoffplantagen zurück.

645.000 Hektar entspricht der doppelten Fläche Luxemburgs

In dem Vergleichszeitraum verloren die drei Kontinente unterschiedlich stark an tropischen Regenwäldern: Asien 300.000 Hektar, Südamerika 220.000 Hektar und der afrikanische Kontinent 123.000 Hektar.

Die Corona-Pandemie scheint diesen Verlust zusätzlich zu verschärfen. Die politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Viruserkrankung lassen staatliche Regulierung und polizeiliche Kontrolle des Waldes zurückgehen. Ein illegaler Holzeinschlag und Landgrabbing (z.B. zur Erschließung von Goldminen) nehmen rapide zu, da Polizei und Ranger zusehends nicht vor Ort sein können. Auch die Kontrolle durch zivilgesellschaftliche Verbände und Naturschutzvereinigungen ist geringer, da deren AktivistInnen durch Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen gebunden sind.

Empfehlungen der WWF

Um der Waldvernichtung zuvorzukommen sieht der WWF einige Maßnahmen als unabdingbar an: Es müssten diejenigen EU-Gesetze stärker in den Fokus gerückt werden, die sich gegen Entwaldung aussprechen. Zudem müssten Beschaffungsrichtlinien von Produkten eingesetzt werden und gelten, die sich auf vollständige Entwaldungsfreiheit berufen können, da rund ein Sechstel der in Europa gehandelten Lebensmittel zur Abholzung in den Tropen beitrage. Auch der illegale Holzhandel müsse konsequenter geahndet werden und Konjunkturhilfen sowie Konjunkturprogramme dürften keine Entwaldung zur Folge haben.


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