Ein Unternehmen für künstliche Intelligenz und Gesichtserkennung macht derzeit Schlagzeilen: An „Augustus Intelligence“ sind führende Mitglieder der deutschen Staats- und Wirtschaftselite beteiligt. Darunter der bekannte Wirtschaftsberater Roland Berger sowie der ehemalige Verteidigungsminister Guttenberg. Dazu kommen Investitionen vom Sohn des AfD-Finanziers August von Finck. Und auch die ehemaligen Chefs von „Verfassungsschutz“ und „Bundesnachrichtendienst“ spielen eine Rolle.

Deutschland steht im internationalen Konkurrenzkampf gerade im Bereich der Datenzentren und der künstlichen Intelligenz derzeit hinten an – „Augustus Intelligence“ will das ändern. Das Unternehmen will Datenzentren betreiben und Software zur Gesichts- und Objekterkennung – also zur Überwachung – anbieten. Die Gründer träumen davon, eine „100 Milliarden-Firma“ aufzubauen. Der Sitz des Unternehmens ist in den USA, doch das führende Personal setzt sich aus Deutschen zusammen und will auch in Deutschland investieren.

Dem Spiegel sind interne Unterlagen, Chats, Fotos, Mails und Briefe aus dem Inneren des Unternehmens „Agustus Intelligence“ zugespielt worden. Daraus geht hervor, wie ein Netzwerk aus führenden Protagonisten der deutschen herrschenden Klasse sich bemüht hat, ein Unternehmen mit strategischer Relevanz aufzubauen. Dabei finden sich schillernde Namen aus Politik, Geheimdiensten und Milliardärsfamilien.

Dazu gehörten unter anderem:

  • Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg
    Der Adelige Guttenberg war ein Jahr Generalsekretär der CSU, ein Jahr Wirtschaftsminister und zwei Jahre Verteidigungsminister. Nachdem herauskam, dass er seine Doktor-Arbeit gefälscht hatte, ging er aus der Politik in den Lobbyismus und beriet unter anderem die deutsche Lufthansa. Im März 2019 wurde er Aktionär bei der im One World Trade Center in New York City ansässigen Technologiefirma Augustus Intelligence. Zwei Monate später wurde er Vorstand des Unternehmens.
  • Roland Berger & Charles-Édouard Bouée
    Roland Berger ist Gründer der deutschen Unternehmensberatung „Roland Berger“. Sie gilt als einziges international relevantes Unternehmen in diesem Bereich aus Europa. In Deutschland beriet es die Treuhandanstalt bei der Privatisierung der volkseigenen Betriebe aus der DDR oder Gerhard Schröder bei der Entwicklung der Agenda 2010-Reform. Der langjährige CEO der Firma, Charles-Édouard Bouée, ist „President in charge of Business Affairs“ bei Augustus Intelligence geworden, auf Wunsch von Roland Berger persönlich.
  • August François von Finck
    Er ist Sohn des Milliardärs August von Finck junior, welcher dadurch bekannt wurde faschistische Parteien wie die AfD finanziert zu haben. Er soll in „Augustus Intelligence“ 11,2 Millionen Dollar investiert haben.
  • Hans-Georg Maaßen
    Im Bericht des Spiegels taucht außerdem mehrmals der ehemalige Chef des Inlandsgeheimdienstes „Bundesamt für Verfassungsschutz“ auf. So zeigen Fotos ihn zusammen mit Roland Berger, Augustus-Geschäftsführer und CDU-Sprössling Phillip Amthor in der Lobby des Hotels Suvrette House im vornehmen St. Moritz. Maaßen setzte sich außerdem für die Einbürgerung eines Augustus-Mitarbeiters ein und rief dafür beim Referatsleiter für Staatsangehörigkeitsrecht an. – Während Maaßens Zeit beim Geheimdienst ist die AfD aufgestiegen. Er wurde immer wieder für rechtsgerichtete Aussagen kritisiert.
  • August Hanning
    Auch der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, hat sich mit der Firma Augustus getroffen. Hanning hatte 2015 mit einem flüchtlingsfeindlichen Papier für Aufsehen gesorgt.
  • Phillip Amthor
    Rund um die Augustus-Veröffentlichungen steht derzeit Phillip Amthor am meisten im Rampenlicht. Dem 30-jährigen CDU-Jung-Star wird vorgeworfen, für die Firma „Lobbyismus“ direkt bei Wirtschaftminister Peter Altmaier (CDU) betrieben zu haben. Dort warb er unter anderem um niedrige Strompreise für das Unternehmen. Tatsächlich kam es nach einem Werbe-Brief von Amthor an Minister Altmaier zu zwei Treffen im November 2018 mit dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Christian Hirte. Auch war die Firma bei einem „Expertengespräch“ über künstliche Intelligenz mit Verkehrsminister Andreas Scheuer dabei. Phillip Amthor selbst war „Direktor“ des Unternehmens und hielt 2817 Aktienoptionen. Somit hat er ein Unternehmen in Staatskreise eingeführt, von dem er selbst profitiert. Unklar bleibt auch, wer die verschiedenen Geschäftsreisen mit Champagner, Hotels und teurem Essen finanzierte.

Schon kurz nach dem Veröffentlichungen des Spiegels ist Amthor von seinem Posten als „Direktor“ zurückgetreten und hat seine Aktienoptionen zurück gegeben. Er bezeichnete sein Verhalten als einen „Fehler“. Im Unternehmen scheint Amthor jedoch nur eine begrenzte Rolle zu spielen, schaut man sich die anderen Schwergewichte mit jahrzehntelanger politischer, wirtschaftlicher und geheimdienstlicher Erfahrung an.

Es bleibt abzuwarten, welche Rolle dieses Unternehmen, das von rechten Eliten geführt wird und Überwachungssoftware produzieren will, in Zukunft noch einnimmt.


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