Auch in Deutschland ruft der Mord an George Floyd Zehntausende in Solidarität auf die Straße. Sie fordern „Black Lives Matter!“ und kritisieren rassistische Strukturen in der Polizei – zu oft allerdings nur mit Blick auf die USA. Die Kampagne „Death in Custody“ recherchiert zu Schwarzen und Menschen of Color, die in Deutschland durch staatliche Gewalt verstorben sind und zeigt: Auch in Deutschland ist institutioneller Rassismus tödlich.

Anlässlich des Mords an George Floyd veröffentlicht „Death in Custody“ (dt.Tod in Gewahrsam) seine bisherigen Recherchen – für Todesfälle in Polizeigewahrsam gibt es keine umfassende, offizielle Statistik. Die Initiative arbeitet daran, diese Lücke zu schließen und die Tode durch staatliche Gewalt zu skandalisieren. Institutioneller Rassismus sei eine der Hauptursachen dafür, dass Schwarze und Menschen of Color durch die Polizei oder andere staatliche Einrichtungen getötet werden.

159 Todesfälle zwischen 1990 und 2020

Allein für den Zeitraum seit 1990 berichtet Death in Custody von 159 Todesfällen. Dazu zählen Polizeischüsse, Tode durch unterlassene Hilfeleistung, aber auch solche Todesfälle, die als „Suizid“ vermerkt sind. „Die Kampagne wertet auch diese Fälle als ‚death in custody‘, da unserer Auffassung nach in einer totalen Institution kein freier Wille zur Beendigung des eigenen Lebens gebildet werden kann“. Der Fall von Oury Jalloh zeige, dass auf die behördlichen Auskünfte zu Selbststötungen nicht zu vertrauen sei.

Fast nie haben die Todesfälle Konsequenzen für TäterInnen

Eine Gemeinsamkeit haben fast alle recherchierten Fälle: TäterInnen erfahren keine Konsequenzen. Oft genug würden sogar Getötete kriminalisiert, um TäterInnen zu entschuldigen. Dazu führe ein Netzwerk des institutionellen Rassismus, in das „die Politik, der Justiz- und Sicherheitsapparat und der Verfassungsschutz“ verstrickt seien.

Gedenkdemonstration zum 15. Todestag von Oury Jalloh

Was in den Behörden passiert, ist von außen nur unter höchsten Anstrengungen nachvollziehbar. So sind es oft die TäterInnen, die entscheiden, welche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen.

Die umfangreiche Recherche von Death in Custody ist hier nachzulesen. Sie schließt mit der Forderung: „Aufklärung, Rechenschaft und die Etablierung von effektiven Schutzmechanismen, um Tod in Gewahrsam zu verhindern“.


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