Die Protestwelle gegen rassistische Polizeigewalt stellt auch die Gewerkschaften in den USA vor die Frage, welche Position sie einnehmen. Schon Ende Mai waren Bilder und Videos von BusfahrerInnen durch die sozialen Medien gegangen, die sich weigerten, im Auftrag der Polizei bei den Protesten Festgenommene zu transportieren.

Am 10. Juni – zeitgleich mit der Beerdigung von George Floyd – legten die ArbeiterInnen in den Häfen von New York und San Francisco ihre Arbeit nieder. Die traditionell gegen Rassismus eintretende HafenarbeiterInnengewerkschaft kündigte auch für den 19. Juni einen Streik an der gesamten Westküste an. Der 19. Juni – „Juneteenth“ – ist der Jahrestag der Abschaffung der Sklaverei in den USA im Jahre 1865.

Auch die etwa 1.300 Beschäftigten großer Verlagshäuser in den USA legten am 8. Juni die Arbeit nieder und kritisierten, dass ihre eigene Industrie zum Erhalt des Rassismus in den USA beitrage: „Wir haben uns entschieden zu handeln, weil wir sehen, dass die Verlagsindustrie eine Rolle beim Erhalt des systematischen Rassismus spielt, indem sie weiterhin weder eine nennenswerte Zahl von schwarzen Menschen beschäftigt noch Bücher schwarzer Menschen in ausreichender Zahl veröffentlicht.“ In dem Aufruf wird ebenfalls beklagt, dass die Verlagsindustrie von Büchern profitiere, die Rassismus verbreiten.

Mit der aktuellen Protestbewegung sind auch die Stimmen wieder lauter geworden, die einen Ausschluss der sogenannten „Polizeigewerkschaften“ aus der AFL-CIO, dem größten Gewerkschaftsdachverband der USA fordern. Melina Abdullah, Black Lives Matter-Mitgründerin aus San Francisco und Mitglied der dortigen California Faculty Association (Gewerkschaft für Beschäftigte an der Universität) kritisierte: „Diese Polizeivereinigungen und ihre Mitglieder schützen die Polizisten, die die Mitglieder der echten Gewerkschaften umbringen.“ Daher könne sie die Polizeiverbände nicht als echte Gewerkschaften betrachten.

Diesen Forderungen hat sich die Führung der AFL-CIO jedoch schon offiziell entgegengestellt und schrieb auf Twitter: „In erster Linie sind wir der Überzeugung, dass Polizisten und jeder andere Mensch, der für seinen Lebensunterhalt arbeitet, ein Recht auf Tarifverhandlungen hat.“


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