Pflegekräfte demonstrieren heute bundesweit für bessere Arbeitsbedingungen, bessere Bezahlung und mehr Personal.

Während der Corona-Pandemie hat sich nochmals überdeutlich gezeigt, was Vielen schon vorher klar war: Die Pflege in Deutschland ist maßlos unterfinanziert. In den Krankenhäusern gibt es zu wenig Personal – und das wenige Personal, das es gibt, wird zu schlecht bezahlt. Es gibt zu viele Überstunden und insgesamt zu wenig Zeit, um die PatientInnen gut versorgen zu können. Das wollen Pflegekräfte nun ändern: Heute protestierten sie bundesweit für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Bezahlung und eine insgesamt bessere Finanzierung des Pflegesektors.

„Durch die Corona-Pandemie wurde allen noch einmal klar, wie wichtig eine gute Versorgung pflegebedürftiger Menschen ist. Jetzt gilt es, aus der Krise zu lernen und den Notstand zu beenden.“, äußerte sich Sylvia Bühler, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für das Gesundheits- und Sozialwesen.

Um diesen Notstand zu beenden, reiche die ursprünglich geforderte Corona-Prämie von 1.500 Euro für Beschäftigte in der Altenpflege nicht aus. Es sei gut, das hohe Engagement und die extremen Situationen in der Coronakrise zu würdigen, dies ersetze aber nicht die dringend notwendige nachhaltige Verbesserung.

Viele kommerzielle Anbieter möchten sich nicht auf Tarifverträge einlassen, was zur Folge hat, dass viele Pflegekräfte nicht mehr als 2.000 Euro brutto im Monat verdienen – obwohl sie Vollzeit arbeiten. „Das ist für diese körperlich und psychisch anstrengende und gesellschaftlich wichtige Arbeit völlig unangemessen.“, kritisiert die Gewerkschafterin.

Der Pflege-Mindestlohn, der bereits von der Gewerkschaft durchgesetzt werden konnte, war ein erster Schritt. Doch er reicht bei Weitem nicht aus, um von einer angemessenen Bezahlung der Pflegekräfte reden zu können, sondern verhindert nur das Allerschlimmste. Nun wird mit der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) über einen Tarifvertrag verhandelt, der sich auf die gesamte Altenpflege erstreckt. Dieser Tarifvertrag könnte das Lohnniveau nach unten absichern, darüber hinausgehende, bereits verhandelte bessere Tarifverträge würden bestehen bleiben.

Das zweite zentrale Problem in der Altenpflege ist die Personalausstattung. Gibt es in einem Betrieb zu wenig Personal, kommt es oft zu gesundheitsgefährdender Arbeitsbelastung, die Zeit reicht nicht, sich professionell um PatientInnen zu kümmern. Das kann beispielsweise dazu führen, dass Anzeichen für Krankheiten übersehen werden. Außerdem ist die Pflege immer noch ein Beruf, in dem mit Menschen gearbeitet wird, deshalb ist die emotionale Nähe zwischen Behandelnden und Behandelten essentiell. Das kann mit dauerhafter Unterbesetzung nicht gewährleistet werden.

Um eine bessere Personalausstattung zu erkämpfen, hat die Gewerkschaft ver.di deshalb das Projekt #GemeinsameSache ins Leben gerufen, auf das sich auch die Aktionen heute beziehen. Damit werden nicht nur Beschäftigte angesprochen, sondern auch die ebenso unter dem Problem leidenden pflegebedürftigen Menschen sowie ihre Angehörigen.

„Mehr Personal und eine angemessene Bezahlung sind dringend nötig – auch, damit sich in Zukunft noch genug Fachkräfte für diesen Beruf finden“, betont Sylvia Bühler. „Es braucht eine solidarische Pflegegarantie. Die Pflegeversicherung muss so weiterentwickelt werden, dass sie garantiert alle pflegebedingten Kosten abdeckt und solidarisch von allen Bürgerinnen und Bürgern entsprechend ihrem Einkommen finanziert wird.“


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